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Joseph Haydn

Klaviertrios C-Dur, d-Moll, e-Moll, fis-Moll (Hob.XV:27, 23, 12, 26)

Trio Jean Paul

CAvi/harmonia mundi CAVI 8553311
(66 Min., 3/2013)

Hätte Joseph Haydn in seinem Leben nicht auch 104 Sinfonien und 68 Streichquartette geschrieben, mit denen er die beiden Gattungen revolutionierte, dann würde er heute wahrscheinlich sehr viel vernehmlicher für seine 45 Klaviertrios gefeiert werden: Stücke, die nach Worten des einflussreichen Klassikforschers Charles Rosen neben Mozarts Klavierkonzerten zu dem „Brillantesten“ gehörten, was vor Beethoven für Klavier geschrieben worden sei. Dass dieser Schatz vernachlässigt wurde, liegt dabei nicht nur am Zahlenverhältnis: Die Balance zwischen dem dominierenden Klavier und den Streichern, die mal mit dem Tasteninstrument verschmelzen, um sich in anderen Passagen von ihm zu emanzipieren, ließ sich mit der Entwicklung hin zum großen, weit tragenden Klavierklang der späten Romantik immer schwerer bewerkstelligen. Dass eine perfekte Darbietung dieses Repertoires auf modernen Instrumenten dennoch möglich ist, beweist das Trio Jean Paul mit seiner hinreißenden Interpretation von vier späten Trios, die Haydn zwischen 1788 und 1795 komponierte. Die drei Musiker verbinden dabei höchste farbliche wie rhetorische Differenzierungskunst mit der Gabe, heikle Akkorde nicht massig, aber umgekehrt auch Leichtes nicht leichtgewichtig erscheinen zu lassen. Zugleich sind die drei grandiose Erzähler, die den historischen Berichten, nach denen Haydn beim Komponieren einem imaginären Programm folgte, große Plausibilität verleihen: Neben dem abgründigen Humoristen, Satiriker und Melancholiker entdecken sie dabei auch den Verfasser von pikanten Liebesgeschichten, der im Andante seines C-Dur-Trios schon ganz deutlich die Seufzer der drei Damen aus Mozarts Zauberflöte vorwegnimmt.

Carsten Niemann, 01.08.2015



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