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Dark Nights

Avishai Cohen’s Triveni

Anzic/harmonia mundi ANZ 0045
(53 Min., 9/2013)

Die Namensidentität sorgt für Verwirrung. Avishai Cohen, der Trompeter, um den es hier geht, ist noch ein Geheimtipp, während Avishai Cohen, der Bassist, seit seiner Zeit bei Chick Corea zu den anerkannten Größen des internationalen Jazz zählt. Cohen, der Trompeter, hat das Zeug, diesen Status ebenfalls zu erreichen. Klar, fast ansatzlos ist sein Trompetenton; trotz der vordergründigen Ähnlichkeit unterscheidet ihn ein leichtes Vibrato von dem 1991 verstorbenen Trompetenstar Miles Davis. Mittels dezent eingesetzter Elektronik modifiziert er dessen Ton; zudem greift er in drei Titeln auf elektronische „Effects“ zurück. Durch eine geschickte Mischung aus langen, verschlungenen Linien und knappen Einwürfen wirken seine Improvisationen stets lebendig.
In den „Triveni“ finden drei musikalische Wegelinien zusammen: seine eigene, das intensive, verschnörkelte Passagen und konzentriert geradlinige Momente verbindende Spiel des Kontrabassisten Omer Avital und die bei aller Offenheit den Beat stets präsent haltenden Schlagfolgen von Nasheet Waits. Da sie auf ein Harmonieinstrument verzichten, verlassen Waits und Avital ständig die begleitende Funktion, indem sie mit kleinen Figuren auf die eindeutig dominierende Trompete reagieren. Zwei Gastauftritte seiner Schwester, der Klarinettistin Anat Cohen, und ein weiterer in „Old Soul“ von Gerald Clayton am Fender Rhodes E-Piano erweitern das Klangspektrum zwischendurch minimal.
Sechs Stücke stammen von Cohen. Eine melancholische Version von Charles Mingus´ „Goodbye Pork Pie Hat“, ein swingendes „Shiny Stockings“ und ein getragenes „Lush Life“ dienen als Reverenz an die Klassiker, und „I Fall In Love Too Easily“ ist eine bezaubernde Variation des Klassikers mit der Sängerin Karen Ann, dem Pianisten Clayton und Cohen als sensiblem Begleiter.

Werner Stiefele, 25.07.2015



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