Bei manchen nicht so prominenten Instrumenten sorgten stets außergewöhnliche Interpretenpersönlichkeiten dafür, dass sich das Repertoire um einige neue Konzerte oder Kammermusikwerke erweiterte. Für das Horn lieferte Joseph Leutgeb gleich einigen Komponisten die entsprechende Inspiration, nicht nur Mozart, dessen Hornkonzerte bekanntermaßen ihm zu verdanken sind, sondern auch den Gebrüdern Haydn. Eben diese Trias hat Felix Klieser auf das Programm seiner neuen CD gesetzt, ganz so wie seinem berühmten Kollegen im 18. Jahrhundert gelingt es heute auch dem 24-jährigen Göttinger, ein größeres Publikum für sein Instrument zu begeistern.
Und das ist kein Wunder, verfügt Klieser doch über einen warmen, ja, güldenen Ton, ist deutlich mehr Sänger als Schmetterer, was er auch durch seine exzellenten Legato-Fähigkeiten unterstreicht. Gerade die Mittelsätze der beiden Haydn-Konzerte profitieren ganz erheblich davon, sie gestaltet er zu lyrischen Gesangsszenen. Er überzeugt als hoher wie tiefer Hornist gleichermaßen und beschämt seine Kollegen, indem er vorführt, was aus diesem Instrument auch ohne Stopfen an Klangfarben herauszuholen ist. Oberflächlich brillanter Klang scheint ihn erfreulicherweise wenig zu interessieren.
Unterstützt wird Klieser vom unaufgeregt agierenden, wie stets zuverlässigen Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian. Die klassische Schönheit des Ergebnisses dürfte Kliesers Intentionen entsprechen. Sicherlich hätte ein anderes (womöglich "Originalklang"-)Orchester sich als zusätzlicher Impulsgeber erweisen können, doch überzeugen diese Interpretationen auf ganzer Linie, sind in sich rund und stimmig – und allein darauf kommt es an.

Michael Blümke, 20.06.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top