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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Hector Berlioz

Harold en Italie, La mort de Cléopâtre

Valery Gergiev, London Symphony Orchestra, Antoine Tamestit, Karen Cargill

LSO/Note 1 LSO0760
(63 Min., 11/2013)

„Die Violaspieler wurden stets aus dem Ausschusse der Violinspieler entnommen. War ein Musiker unfähig, den Violinposten genügend zu bekleiden, so wurde er zur Viola versetzt.“ Selbst ein Hector Berlioz hat sich also einmal mit so einem abschätzigen Wort in den Kanon der Bratschen-Schmäher eingereiht. Kaum zu glauben. Immerhin ist ihm doch mit „Harold en Italie“ mehr als nur ein Repertoire-Klassiker für die Viola zu verdanken. Statt nämlich ein ordentliches Solo-Konzert mit fester Aufgabenverteilung zu schreiben, ist das Werk eher eine Sinfonie mit wertvollsten wie zugleich anspruchsvollsten Bratschensoli, die sich denken lassen. Da nehme man nur den sich in Pianissimo-Gefilden bewegenden „Marsch der Pilger“, bei dem das Streichinstrument zu einem weiteren überaus zarten Farbwert auf der so reichen Berliozschen Klangpalette wird.
Wie exquisit sich allein dieses wundersame und zugleich doch so spannungsvolle Dahinfließen anhören kann, zeigt der Franzose Antoine Tamestit in seiner immerhin bereits zweiten Einspielung von „Harold en Italie“. Nach der Aufnahme von 2011 mit Marc Minkowski ist Tamestit jetzt in einem Konzertmitschnitt mit Valery Gergiev sowie dem London Symphony Orchestra zu hören, das seit den goldenen Colin Davis-Zeiten mit der Musiksprache von Berlioz bestens vertraut ist. Und im Vergleich mit der schon sehr gelungenen Minkowski-Einspielung kann Tamestit tatsächlich noch mal nachlegen, was die Feinheiten im lyrisch Tondramatischen, das Sensible im Schwärmerischen und das Gelassene im furorhaft Wilden angeht. Andererseits hat Tamestit mit Gergiev einen Dirigenten zur Seite, der höchste Aufmerksamkeit walten lässt und nicht das Effektvolle und den Tumult überzieht, wie man es ansonsten bei Berlioz erlebt. Gleichermaßen eindringlich gelingt Gergiev die Kantate "La mort de Cléopâtre", die er bereits mit den Wiener Philharmonikern vorgelegt hat. Damals war die Mezzo-Sopranistin Olga Borodina Trumpf. Ein As hingegen ist jetzt ihre Kollegin Karen Cargill in Sachen Ausdruck, dynamischer Sorgfalt und Artikulationsprägnanz.

Guido Fischer, 28.03.2015



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