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Franҫois Devienne, Luigi Gianella, Christoph Willibald Gluck, Ignaz Pleyel

„Revolution“ (Flötenkonzerte)

Emmanuel Pahud, Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini

Warner 2564627678
(73 Min., 7/2014)

Nach seiner letzten Einspielung, die zu einer musikalisch gelungenen Würdigung vom „Flöten“-Fritz geriet, bricht Emmanuel Pahud in eine Stadt und Zeit auf, die auch für Friedrich den Großen kein Zuckerschlecken geworden wäre. Denn die französischen Revolutionäre hätten auch mit diesem Vertreter des preußischen Absolutismus kurzen Prozess gemacht. Doch wenngleich auf Pahuds vierteiliger Konzertsammlung „Revolution“ draufsteht und die eingespielten Komponisten allesamt etwas mit Paris zu tun haben, wird man hier nicht Ohrenzeuge eines radikal neuen Klangzeitalters. Vielmehr strahlen und atmen die vier ausgewählten Konzerte, die mehr oder weniger im Umkreis von 1789 entstanden sind, eher eine wohlige Vertrautheit aus.
Ein erst 1941 veröffentlichtes Flötenkonzert von Christoph Willibald Gluck macht aus dem mitschwingenden, nun einschmeichelnd galanten Barockerbe keinen Hehl. Das mit klassischem Schwung aufgeladene Konzert des in Paris ansässigen Haydn-Schülers Ignaz Pleyel war ursprünglich für Klarinette geschrieben worden, bevor es 1799 eben auch in der Fassung für Flöte erschien. Und zeitgleich sollen der Italiener Luigi Gianella sowie der Franzose Franҫois Devienne das Pariser Publikum mit ihren Flötenkünsten begeistert haben. Aber auch diese jetzt aufgenommenen Flötenkonzerte haben ihren Reiz: Während Devienne einen selbst mit seinem leicht burschikosen Elan einnimmt, kommen dem Opus von Gianella belcantistische Züge zugute. Eine Revolution wird man wie gesagt zwar mit keinem der vier Werke anzetteln können. Dafür sind sie allzu sehr Kinder des 18. Jahrhunderts. Dass man trotzdem keine beliebigen Leichtgewichte geboten bekommt, liegt an Pahud und seinen hellwach agierenden Mitstreitern, an dem von Giovanni Antonini mal angefeuerten und dann wieder wohldosiert an die Zügel genommenen Kammerorchester Basel. Pahuds ungemein natürlich wirkendes Spiel erweist sich dabei als höchst eloquent und nuancenreich, als fulminant im Zügigen sowie als groß im lyrischen Ton. Auf diesem Niveau gespielt, war diese Musik damals zu Recht mit sich im Reinen.

Guido Fischer, 14.03.2015



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