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Wolfgang Amadeus Mozart, Charles Ives, Giuseppe Verdi

Streichquartette

Schumann Quartett

Ars Produktion/Note 1 ARS 38156
(69 Min., 6/2014) SACD

Das CD-Debüt vor zwei Jahren firmierte noch unter dem Motto „Stars von morgen“ – der zweite Schritt auf dem Plattenmarkt braucht keinen Vorschuss mehr: Das Schumann-Quartett aus Köln, 2007 gegründet, hat sich in der Zwischenzeit international einen Namen gemacht hat – auch, weil es sich wie viele Ensembles der jüngeren Generation von klassischen Idealen der Eleganz und Ausgewogenheit selbstbewusst emanzipiert. Wie das Quartett Mozarts KV 575 anfasst, das klingt nach Tatendrang, das hat Charakter, ja Eigensinn, und rein gar nichts von schöngeistiger Routine. Man ist zunächst sogar ein wenig erschrocken, wie sportlich und entschlossen die vier Musiker hier zu Werke gehen – und dabei in ihrem Eifer über die ein oder andere Passage und manchen Übergang regelrecht hinwegfliegen. Doch schon im zweiten Satz, einem wunderbar ausgesungen Andante, löst sich die Anspannung: Hier nehmen sich die Schumanns die Zeit, die es braucht, dieses lyrische Intermezzo von Innen heraus zum Leuchten zu bringen.
Die Brüder Eric, Ken und Mark Schumann und die in Estland geborene Bratschistin Liisa Randalu setzen dazu auf zwei Raritäten. Da ist das 1913 entstandene zweite Quartett des US-Amerikaners Charles Ives: Musik eines unerschrockenen Pioniers, harmonisch kaum noch zu orten, vielschichtig, überbordend, zerrissen, voller Anspielungen und Zitate – und ein neues Bravourstück im Repertoire des explosiven Schumann Quartetts. Mit dem 1873 aus reiner Langeweile entstandenen einzigen Quartett Giuseppe Verdis findet die Tour de Force noch einen versöhnlichen Abschluss. Auf ganz anderem Terrain spielt das Ensemble ähnliche Qualitäten aus: seine Geschwindigkeit, seine Dynamik, seinen kräftig-athletischen Klang, der jede Belastung gleich wieder wegfedert und so der Musik viel Luft zum Atmen lässt.

Raoul Mörchen, 14.03.2015



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