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Kind Of Cool

Wolfgang Haffner

ACT/Edel 1095762ACT
(61 Min., 8/2014)

Wolfgang Haffner, der wohl meistgefragte Jazz-Drummer Deutschlands, flirtete bei seinen Einspielungen unter eigenem Namen bislang immer wieder gerne mit popaffinen Stilistiken, die sich unter dem Rubrum „NuJazz“ zusammenfassen ließen. Mit „Kind Of Cool“ verlässt der Schlagzeuger den aus der Mode gekommenen Zeitgeist-Pfad und wendet sich der Jazz-Vergangenheit zu.
Der CD-Titel ist Programm: An der Seite eines aus lauter Bandleadern wie dem 83-jährigen Trompeter Dusko Goykovich, dem E.S.T-Bassisten Dan Berglund, dem Vibrafonisten Christopher Dell oder dem Pianisten Jan Lundgren bestehenden Ensembles kombiniert Haffner die kühl-konzentrierte Grundhaltung des Miles-Davis-Klassikers „Kind Of Blue“ mit prominenten Erzeugnissen der Cool-Jazz-Ära.
Chet Baker und das Modern Jazz Quartet sind die markanten Bezugspunkte, auf die sich der Schlagzeuger in puncto Besetzung und Stückauswahl („My Funny Valentine“, „I Fall In Love Too Easily“, „Django“) bezieht, wie überhaupt die gesamte Aufnahme aus lauter Zitaten besteht: Haffners Eigenkompositionen klingen wahlweise wie „Freddie Freeloader“ („Hippie“) oder „You Don't Know What Love Is“ („Remembrance“), die Arrangements von Klassikern sind wiederum Verbeugungen vor anderen Klassikern („Summertime“ erinnert hier beispielsweise an die „Autumn Leaves“-Version von Cannonball Adderley und Miles), die Solisten schließlich machen sich einen Spaß daraus, beziehungsreich Brücken quer durch die Real-Book-Literatur zu schlagen.
Auch wenn sich Haffner auf „Kind Of Cool“ mal wieder als lässiger Meister der schlagwerkerischen Reduktion zeigt, hinterlässt die Aufnahme einen zwiespältigen Eindruck. Leichtfertig wird hier der Vorteil verspielt, den der Jazz etwa gegenüber der Klassik hat: Die Freiheiten, die man sich in der improvisierten Musik bei vermeintlich zu Tode gedudelten Standards nehmen darf und vielleicht sogar nehmen muss, werden zugunsten einer brav an die historischen Originale angelehnten Spielhaltung über Bord geworfen. Das Ergebnis ist, nun, kind of boring.

Josef Engels, 14.03.2015



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