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Modest Mussorgski, Dmitri Schostakowitsch, Sergei Prokofjew, Peter Tschaikowski

Bilder einer Ausstellung, Nacht auf dem kahlen Berge, Suite für Varieté-Orchester, Romeo und Julia (Suite) op. 64, Nussknacker-Suite op. 71a

german hornsound 8.1

Genuin/Note 1 GEN 15340
(75 Min., 4/2014)

Zusammenrottungen von Spielern einzelner Stimmgruppen des Orchesters haben Konjunktur. Nachdem schon Flöten und Geigen auf den einst von den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker in Bewegung gesetzten Zug aufgesprungen sind, mischen jetzt auch die Hörner mit: Für sein neues Projekt hat sich das Hornquartett „german hornsound“ dafür mit vier weiteren Hornisten zusammengetan. Gemeinsam mit Simon Rössler, der den weichen Hornklang mit Schlagzeug, Klavier und Celesta um markantere rhythmische Akzente bereichert, stellen sie ihre Version von Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ vor. Zwischen die Bilder hängen sie weitere, meist populäre und teilweise ebenfalls bildhafte Stücke von Schostakowitsch, Prokofjew und Tschaikowski.
Klanglich wie programmatisch geht das Konzept auf. Mit Erstaunen stellt man fest, wie stark doch der Hornklang den klassisch-romantischen Orchestersound prägt: Mit ihrem äußerst modulationsreichen und stets blitzsauberen Ton haben die Musiker jedenfalls weder Schwierigkeiten, den warmen, weichen Streicherklang zu ersetzen, noch zarteste Kantilenen hinzulegen oder sich in die Höhen der Holzbläser aufzuschwingen – und mit Hilfe einer Wagnertuba erreichen sie auch die dunkelsten Kellergewölbe von Mussorgskis altem Schloss. Mit der Entscheidung, Mussorgskis Sinfonische Dichtung nicht en suite zu spielen, beugen die Musiker ebenfalls wirkungsvoll der Gefahr klanglicher Eintönigkeit vor, so dass die Spannung die vollen 75 Minuten der CD aufrechterhalten bleibt. Hübsch sind auch die Illustrationen, die sich das Hornsound-Mitglied Sebastian Schnorr zu Mussorgskis Ausstellung hat einfallen lassen: In ihrer Verbindung von romantischem Scherenschnitt mit Comic- und russischer Buchillustrationsästhetik führen sie die harmonischen deutsch-russischen Beziehungen, die in diesem Album herrschen, auch auf visueller Ebene erfolgreich fort.

Carsten Niemann, 14.03.2015



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