Responsive image
Heitor Villa-Lobos, Jean Françaix, Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Vivaldi, Edward Elgar

Through Time (Werke für Fagott)

Rui Lopes, English Chamber Orchestra

Solo Musica/Naxos SM 211
(57 Min., 4 & 6/2012)

Nicht allzu häufig bekommt ein Fagottist eine ganze CD lang Gelegenheit, seine Kunst an Komponisten aus verschiedenen Epochen demonstrieren zu können. Der in Basel lebende Portugiese Rui Lopes kombiniert auf seinem Recital zwei Werke des 18. mit drei des 20. Jahrhunderts, spannt den Bogen vom Barock über die Klassik zur Spätromantik und der sehr moderaten, tonalen Moderne.
Gleich in der eröffnenden "Ciranda das sete notas" von Heitor Villa-Lobos kann Lopes seine Virtuosität mit sattem, gelegentlich auch pastosem, aber stets geschmeidigem Ton vorführen. Bei Jean Françaix' "Divertissement" wird der Ton leichter, tänzerisch im ersten Satz, empfindsam im zweiten, im Scherzo nie derb und bleibt auch im Schlusssatz, in dem die tieferen Regionen ausgelotet werden, stets wendig, vermeidet jede Eindickung.
Zu Mozarts Fagottkonzert steuert Lopes sehr gelungene eigene Kadenzen bei, wählt gemäßigte Tempi und betört mit einem genussvoll ausmusizierten langsamen Satz. Mit dem C-Dur-Konzert RV 472 von Vivaldi geht der Musiker noch ein halbes Jahrhundert weiter in der Zeit zurück, bevor er das Programm mit Elgars "Romance" op. 62 äußerst schwelgerisch ausklingen lässt.
Ein schöner Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten des Fagotts, das Rui Lopes durch und durch souverän beherrscht. Sein Spiel ist ebenso kantabel wie virtuos, es hat Witz und besitzt Eleganz. Würde der Wahl-Schweizer noch ein bisschen Spritzigkeit darunter mischen – das Fagottglück wäre perfekt.

Michael Blümke, 28.02.2015



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Was erlauben Patricia Kopatchinskaja? Mit Vivaldi hat dieses Album jedenfalls herzlich wenig zu tun, zumindest mit jenem barocken Konzertvielschreiber- und Vier-Jahres-Zeiten-Vivaldi, dessen Klangsprache man mittlerweile doch recht gut zu kennen glaubt. Zwar spielt die exzentrische, das Risiko liebende, nie Gewöhnliches abliefernde Geigerin auf „Whatʼs next, Vivaldi?“ offiziell dessen Solokonzerte – doch wie bitte tut sie das!? Die Tempi sind aberwitzig schnell, als ginge es um Rekorde. […] mehr »


Top