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Double Brein

Georg Breinschmid

Preiser Records/Naxos PR91265
(152 Min., 4/2010 - 9/2014) 2 CDs

Der Mann ist ein Original. Georg Breinschmid, 1996 bis 1999 Mitglied der Wiener Philharmoniker, bringt zusammen, was nach landläufigen Vorstellungen nicht zusammenpasst. Er singt in der Tradition der Liedermacher und Kaffeehausmusiker Stücke mit skurrilen Texten, er verwandelt Franz Liszts „Mephistowalzer“ in einen wilden Parforceritt für Klavier, Geige und Kontrabass und für „Brein’s Knights“ rockt er mit zwei Geigern, einem Cellisten und dem eigenen Kontrabass wild und kunstvoll los. Seine Version des zweiten Satzes aus Johann Sebastian Bachs a-Moll-Violinkonzert groovt mit Kontrabass, Vibrafon und Klavier, und seine Version der Verdi-Arie „La Vecchia“ bezieht neben einem Geiger einen Akkordeonisten ein.
Zwei Discs umfasst das Album, die eine eher von klassischen Themen geprägt und die andere mit Trompeter, Saxofonisten und Vibrafonisten als Partnern etwas näher am Jazz. Klassik, Jazz, Balkanfolklore, Samba, Klezmer, Walzer, Blues, Gipsy-Swing und Rock: Das sind nur einige Bestandteile der Breinschmid’schen Welt und gleichzeitig ein Spiegel seiner musikalischen Biografie nach dem Ausscheiden aus dem Weltklasseorchester. Die führte ihn unter anderem ins Vienna Art Orchestra und die Weinrich Group. Dabei macht er sich mit wechselnden Besetzungen einen Spaß daraus, den Stücken mit überraschenden Brüchen eine vorab kaum zu ahnende neue Richtung zu geben, ins Burschikose abzudriften, Klischees zu zitieren, zu überhöhen und zu verwerfen, Melodienseligkeit durch Kratzgeräusche auf dem Kontrabass zu zerstören. Die Fülle der Stilzitate schafft eine falsche Vertrautheit, doch der Breinschmid’sche Klanganarchismus verscheucht jedes Gefühl der Heimeligkeit. Das alles klappt nur, weil Breinschmid ein solch exzellenter Kontrabassist ist, dass auch die wildesten Brüche nie zu Unsicherheiten oder ins unkontrollierte Chaos führen. Das macht das 2010 bis 2014 bei Konzerten und in diversen Studios aufgenommene Doppelalbum zu einem Riesenspaß.

Werner Stiefele, 20.02.2015



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