Es war eine äußerst prestigeträchtige Angelegenheit, das erste Scala-Gastspiel 1964 in Moskau (zwei weitere sollten 1974 und 1989 folgen): Man wollte sich nicht lumpen lassen, zeigen, was – und wen! – man hatte. Herbert von Karajan höchstselbst dirigierte drei der vier dargebotenen Opern. Und als Dreingabe das Verdi-Requiem. Eben dieses bringt Relief als sehr gut klingenden Mitschnitt in memoriam Carlo Bergonzi heraus, der im vergangenen Sommer kurz nach seinem 90. Geburtstag verstarb. Doch auch die übrigen Namen können sich hören lassen. Vier erstklassige Solisten hatte man aufgeboten – die allerdings kein Solistenquartett formten.
Leontyne Price und Fiorenza Cossotto harmonieren überhaupt nicht miteinander, singen aber jede für sich absolut prächtig. Carlo Bergonzi demonstriert nicht nur mit dem "Ingemisco", dass er DER Verdi-Tenor überhaupt war. Und auch Nicola Zaccaria steht seinen Kollegen nicht nach. Dem Scala-Chor hört man zwar deutlich an, dass er ein Opern- und kein Konzertchor ist, er klingt jedoch in jedem Moment effektvoll. Rein vokal ist diese CD also ein Gourmetteller, interpretatorisch gleicht sie stellenweise eher einer Schlachtplatte. Besonders deutlich wird das beim "Lacrymosa", dem es schlicht an sängerischer Demut fehlt, das zum Showstück aufgedonnert wird. Zwar heißt es ja, die "Messa da Requiem" sei Verdis beste Oper, doch selten traf das mehr zu als bei diesem Moskauer Konzert im Oktober 1964.

Michael Blümke, 21.02.2015



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