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Cinema Paradiso

Jason Seizer

Pirouet/NRW PIT3080
(52 Min., 8/2014)

Der 50-jährige Saxofonist Jason Seizer ist ein Mann der entschiedenen Klarheit und des genauen und geduldigen Hinhörens. Für sein eigenes Label Pirouet hat er im vergangenen Jahr ein Album mit neun klassischen Filmmusikthemen eingespielt und sich so einem Programm zugewandt, das immer wieder Jazzmusiker zur eigenen Interpretation gereizt hat. Doch wo vielfach der Wiedererkennungseffekt ins Kalkül einbezogen wird, setzt Seizer mit seinem Quartett ganz auf eigenständige Nachschöpfung. Mit seinen Mitteln legt er die rein musikalischen Grundgedanken der ganz unterschiedlichen Themen frei, verleiht ihnen klischeefreien, von Bildern unterstützender Funktion befreiten Ausdruck. Er spielt dabei ausschließlich Tenorsaxofon, das bei ihm zuweilen mit der Sanglichkeit eines Soprans erklingt, ohne dass dabei allerdings dessen manchmal sanglich näselnde Penetranz aufscheint.
Seine Variationen dienen stets der Verdeutlichung des thematischen Grundmaterials. Sie vollziehen sich vor und mit den faszinierenden Voicings und ideenreichen Komplementärstimmen des Pianisten Pablo Held. Dessen Spiel hat hier viel von der feinsinnig offenen Ausdeutung des Bill Evans‘schen Kosmos, wie sie das junge Wolfgang-Dauner-Trio zur Zeit und am Ort von Seizers Geburt betrieb. Wie damals spielen auch auf „Cinema Paradiso“ offene Strukturen und gegenseitiges, im abwartenden Hinhören ergänzend entwickeltes Zusammenspiel eine ebenso große Rolle wie die Improvisation und Komposition bruchlos verbindenden Arrangements. Das feingliedrige und oft rubatierende Schlagzeug von Fabian Arends und der warmtönende Kontrabass von Matthias Pichler sind dabei ebenso konstituierend wie Saxofon und Klavier. Eine tief berührende Hommage an die großen Meister der Filmmusik ist diesem Quartett hier gelungen.

Thomas Fitterling, 14.02.2015



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