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Made In Chicago

Jack DeJohnette

ECM/Universal 378 0935
(78 Min., 8/2013)

Es war so etwas wie ein Klassentreffen. Der Schlagzeuger Jack DeJohnette, damals noch Pianist, und die Saxofonisten Roscoe Mitchell und Henry Threadgill hatten 1962 zusammen am Wilson Junior College studiert. Und gejammt. In der Free-Periode des Jazz: Der Nukleus der „Association for the Advancement of Creative Musicians“ (AACM) wurde dort gegründet. Rund fünfzig Jahre später nutzte Jack DeJohnette, mittlerweile Schlagzeuger, eine Wild Card des Chicago Jazz Festival, trommelte die alten Freunde zusammen, ergänzte noch den Pianisten Muhal Richard Abrams und den Bassisten Larry Gray und ließ die alten Zeiten der freien Improvisationen, der überraschenden Wendungen, der ungewöhnlichen Klangkonstellationen wieder aufleben. Sie probten sechs Stücke – jedes weit entfernt von den üblichen Chorusstrukturen, jedoch auf klar erkennbaren Themen und Kooperationskonzepten basierend. Einzig die Zugabe, die fünfminütige Nummer „Ten Minutes“, verlässt dieses Grundprinzip zu Gunsten einer völlig freien Kollektivimprovisation. Der siebzehnminütige „Chant“ wandelt sich von hornissenartig schwirrenden Bläsersounds in eine Fülle von Begegnungen, das vierzehnminütige „Jack Five“ ist über weite Passagen gelassener, bringt aber auch eruptive Momente und stellt DeJohnette ins Zentrum. Fast zerbrechlich wirken die zwölf Minuten des leisen, von Flöten geprägten „This“, während das dreizehnminütige „Museum Of Time“ aus dichten Klavier-Clustern über eine mystisch klagende Phase zu einem pulsierenden, fast swingenden Finale führt. Das zehnminütige „Leave Don’t Go Away“ vereint schließlich vergnügt pulsierenden Free Jazz mit einem ungestümen Zwischenspiel. Wie ein Museumsbesuch wirkt die Disc, und sie erinnert daran, dass es eine Phase in der Jazzgeschichte gab, in der Musiker ihr Genre von der Wurzel her neu fassen wollten. Im Grunde ist diese Reminiszenz aktueller und für die Fortentwicklung des Genres wichtiger als all die netten Crossover-Produkte mit Jazzanteilen.

Werner Stiefele, 31.01.2015



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