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Aural Colors

David Helbock

Traumton/Indigo 998402
(50 Min., 6/2014)

Der 30-jährige Vorarlberger Pianist und Keyboarder David Helbock ist ein Tausendsassa der musikantischen Stilmischung. Auf „Aural Colors“ stellt sich Helbrock mit einem rein akustischen Klaviertrio mit fast konventioneller Besetzung und Musik vor. Bassist Raphael Preuschl und Schlagzeuger Herbert Pirker stammen beide aus Wien, Helbocks Wahlheimat. Es passt zu dem Nonkonformisten Helbock, dass er mit Preuschl keinen Meister des Kontrabasses, sondern der Bassukulele in seiner Band hat. Dieses Instrument ermöglicht die Behändigkeit eines E-Basses, ohne diese aber mit dessen oft konturlos fettem Klang zu verbinden, es klingt vielmehr trockener, etwas nach marokkanischer Guembri, und dieser perkussive Klang verbindet sich ideal mit den knackigen, ausgebufften Rhythmen von Herbert Pirkers druckvollem Schlagzeug.
Mit seinen Partnern spielt Helbock ein Programm, bei dem sich Improvisation und Arrangiertes ausgeklügelt durchdringen und das von einer heiter melodieseligen Spiellust geprägt ist. Verschmitzt wird immer mal wieder insgeheim Helbocks Säulenheiligen Thelonious Monk und Hermeto Pascoal gehuldigt, zuweilen erinnern diskrete Klavierpräparationen an John Cage. Neben Helbocks Eigenkompositionen bilden Variationen über drei von Schönbergs sechs kleinen Klavierstücken einen Schwerpunkt der Produktion. Helbock versucht, die Schönbergschen Motive weiterzudenken und macht sie dabei quasi zu Entwürfen tonal-jazzharmonischer Entwicklungen, die mitunter auch den Blues haben. „Aural Colors“ unterstreicht den Anspruch der drei Wiener auf einen hevorgehobenen, eigenständigen Platz unter der Vielzahl europäischer Klaviertrios.

Thomas Fitterling, 31.01.2015



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