Wo sie recht hat, hat sie recht. "Es ist eine wunderschöne Oper", meinte Anna Netrebko vor einigen Jahren in einem Interview über Tschaikowskis letztes Bühnenwerk "Iolanta". Von Mitte der 70er- bis Mitte der 90er-Jahre erschienen gleich sechs der bisher acht verfügbaren Aufnahmen der Oper, seither herrschte Schweigen im CD-Wald. Valery Gergievs Einspielung von 1994 mit der "frühen" Galina Gorchakova durfte als die gelungenste gelten, trotzdem hat sie mit der Veröffentlichung dieser Produktion – die zufällig rechtzeitig zur MET-Neuinszenierung und der weltweiten Kino-Übertragung einer der Vorstellungen herauskommt – ihre Schuldigkeit getan und darf getrost entsorgt werden.
Anna Netrebkos leuchtender Sopran ist ungleich runder und geschmeidiger als Gorchakovas, und auch ihr hingebungsvoller, expressiver Tenorpartner Sergey Skorokhodov ist dem hemdsärmeligen Gegam Grigorian bei Gergiev deutlich überlegen. Vitalij Kowaljow hält mit seiner strapazierten Höhe und der unsauberen Intonation als einziger nicht das hohe Niveau des Ensembles. Dafür verteidigen Lucas Meachem mit seinem warmen, markanten Bariton und der etwas nasale, im Timbre "typisch russisch" daherkommende Alexey Markov mit sehr gut ansprechender Höhe und hervorragend durchgebildetem unteren Register die Ehre der tiefen Männerstimmen.
Bleibt nur abzuwarten, ob Netrebkos Freundschaft mit Wladimir Putin den Belastungstest besteht, wenn die Diva ständig die Schönheit der russischen Musik ausgerechnet an den Werken eines schwulen Komponisten weltweit exemplarisch vorführt.

Michael Blümke, 24.01.2015



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