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Frankfurt Sound – Past & Presence Of A Jazz Movement

Albert Mangelsdorff, Emil Mangelsdorff, Heinz Sauer, Jutta Hipp, Michael Wollny, Axel Schlosser, Tony Lakatos, Jo Bartes u.a.

L+R/Bellaphon CDLR 661929
(142 Min., 1954 - 2014)

Es ist zu hoch gegriffen, von einem „Frankfurt“ Sound zu sprechen. Schon zwischen dem Posaunisten Albert Mangelsdorff und seinem Bruder, dem Saxofonisten Emil Mangelsdorff, lagen stilistische Welten. Der eine neigte zur Avantgarde, der andere ist ein profilierter Mainstreamer. So facettenreich wie Heinz Sauer bläst wiederum kaum ein anderer Tenorsaxofonist, und Jutta Hipp war eine coole Pianistin. Die genannten sind nur einige der Künstler, die in der Sammlung auf der für Aufnahmen aus den Jahren 1954 bis 1986 reservierten CD „Past“ vorgestellt werden: insgesamt eine exzellente Auswahl an Stücken, die zwar nicht unbedingt einen „Frankfurt Sound“ ausmachen, wohl aber die Vielfalt in der damals wichtigsten deutschen Jazzstadt. Die zweite, „Präsent“ betitelte Scheibe vereint Aufnahmen von 2008 bis 2014: erneut eine attraktive Auswahl. Aber auch hier gilt, dass der Pianist Michael Wollny, der Trompeter Axel Schlosser, der Saxofonist Tony Lakatos oder der Hammond-Organist Jo Bartes samt und sonders exzellente Musiker sind, die aber stilistisch wenig verbindet.
So reicht das Spektrum vom eruptiven Powerplay der „Günter Lenz Springtime“ aus dem Jahr 1979 bis zum swingenden „Killer Joe“ des Joki Freund Sextet von 1963, vom heiteren Bossa-Minimalismus von „No Lega“ aus dem Jahr 2014 bis zum indisch angehauchten „Aruma“ des Gitarristen Max Clouth und ebenfalls 2014 veröffentlichten Computersounds von „A Coral Room“. Vieles fehlt, was Jazzfreunde ebenfalls mit Frankfurt verbinden: die Erinnerung an den Gitarristen Volker Kriegel etwa oder ein Hinweis auf das Jazzensemble des Hessischen Rundfunks. Aber eine Doppel-CD kann kein ausführliches Buch ersetzen. Das hat Jürgen Schwab bereits 2003 mit „Der Frankfurt Sound“ vorgelegt. Diesen tatsächlich mit typischen Beispielen zu dokumentieren, würde mindestens eine Box von fünfzehn bis zwanzig Scheiben erfordern. Im Gegensatz zu einem derartigen Mammut-Werk beleuchten die beiden CDs lediglich einige wichtige Aspekte der Frankfurter Jazzgeschichte – und dies mit allesamt hörenswerten Titeln.

Werner Stiefele, 27.12.2014



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