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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



Ein tolleres Geschenk als diese Inszenierung für das Rossini Opera Festival 2013 hätte sich "L'italiana in Algeri" zum 200. Geburtstag nicht wünschen können. Davide Livermore versetzt das Werk in die 1960er Jahre, in die Zeit des großen Ölrausches also. Mustafà ist durch die Petrodollars reich geworden, die westliche Lebensart hat es ihm angetan, nur zu gerne würde er seine "traditionelle" Frau gegen eine "moderne" eintauschen. Das erzählt der italienische Regisseur (und ehemalige Sänger) als knallbunte Revue: überdreht, manchmal trashig, aber stets enorm unterhaltsam – und garantiert nicht langweilig (und vor allem nie gegen den Text inszeniert). Da wuselt es vor ständig tänzelnden Hausangestellten inklusive tuckigem Eunuchen, die allesamt einem Almodóvar-Film entsprungen scheinen, die Damen tragen auftoupierte Turmfrisuren und Klamotten wie von Dolce & Gabbana auf Ecstasy (ein Lob an Kostümdesigner Gianluca Falaschi).
Ach ja, gesungen wird übrigens auch ganz prächtig. Yijie Shi ist ein superber Rossini-Tenor, beweglich, mit brillanter Höhe und einem leicht metallischen Kern. Der virile, ebenfalls sehr agile Bass-Bariton von Alex Esposito gehört quasi schon zum festen Stamm in Pesaro. Die russische Mezzosopranistin Anna Goryachova schließlich erinnert mit ihrem dunklen, sinnlichen Timbre etwas an Lucia Valentini-Terrani. Sie liefert ein herrlich kapriziöses und durchtriebenes Vollweib mit Model-Aussehen und -Figur – nicht viele Sängerinnen würden sich in einem nur aus dünnen Bändern bestehenden Badeoutfit auf der Bühne präsentieren – und dominiert zusammen mit dem charismatischen Esposito ein enorm spielfreudiges Ensemble. Sinn für Schräges sollte man schon haben, dann aber kommt man mit dieser Blu-ray voll auf seine Kosten.

Michael Blümke, 27.12.2014



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