Responsive image
Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams

Werke für Violine und Orchester

Hilary Hahn, London Symphony Orchestra, Colin Davis

DG/Universal 474 504-2
(66 Min., 10/2003, 12/2003) 1 CD

Vernimmt man diese Worte, es kann einem wirklich schummrig zu Mute werden. "Der Geist dieses Albums", lesen wir, in schwarzen Lettern auf grauem Grund, im Booklet, "steht für eine vergangene Zeit, in der Musik still von Worten überhöht wurde, in der auf das Papier gekritzelte Gesten als große Äußerungen zum Leben erwachten." Meine Güte, welch ein lyrisch verbrämtes Pathos, möchte man da protestieren - aber schon ist man, so nicht sämtliche Sinne der Ratio geopfert wurden, Opfer dieser Musik geworden - und wohl auch ihrer Interpreten: Elgars Violinkonzert, gespielt von Hilary Hahn und dem London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis. Es ist, so viel zunächst, ein Erlebnis.
Vielleicht sollte man Hilary Hahns abseitig-weltverklärende Gedanken, die das Booklet - nebst einer Vielzahl von letztlich anheischigen Porträts der jungen Frau als Künstlerin - offen legt, nicht auf die Goldwaage packen. Es sind Gedanken einer jungen, schwärmerischen Frau, die sich an ihr Geigenspiel verlieren. Und dieses ist von allererster Güte. Phänomenal die technisches Beherrschung, wunderbar leuchtend die Tongebung, variabel die Klangfarben, vielfältig die Ausdrucksmöglichkeiten. Mit einem Wort: Makellos, blühend rein ist dieses Spiel. Kein Staubkörnchen findet sich auf diesem glänzenden Parkett. Und der Geist nicht nur von Elgars seelenvoller Pièce, sondern auch von der Romanze für Violine und Orchester "The Lark Ascending" des anderen britischen Komponisten, Ralph Vaughan Williams, er ist erfasst - nicht zuletzt wegen der ausgefeilten Begleitung durch das Orchester und seinen Dirigenten. Was also ließe sich kritisch einwenden? Gar nichts. Da musiziert eine einzigartig begabte Geigerin. Nur eine Frage will nicht aus dem Kopf: Sind wir Hörende vielleicht doch Opfer einer süßen Suggestion geworden? Schwierig, dies mit Ja oder Nein zu beantworten.

Jürgen Otten, 18.09.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es generierte durchaus Schlagzeilen, als der Musikwissenschaftler Timo Juoko Herrmann vor gut vier Jahren eine bisher unentdeckte, womöglich gemeinschaftlich entstandene Komposition von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Salieri und einem gewissen Cornetti im Prager Nationalmuseum wiederentdeckte – es handelte sich um die Kantate zur Genesung der Sängerin Nancy Storace „Per la ricuperata salute di Ofelia“ KV 477a auf ein Libretto von Lorenzo da Ponte. Dass sie ausgerechnet Timo Juoko […] mehr »


Top