Nach 15 Jahren Alleinherrschaft muss René Jacobs' Referenzaufnahme von "Così fan tutte" sich den Platz auf dem Podest ab sofort mit einem ebenbürtigen Mitstreiter teilen. Mit seiner MusicAeterna hat Teodor Currentzis eine ganz unglaubliche Truppe zusammengestellt, die schon den Anfang des Jahres erschienenen "Figaro" zum orchestralen Erlebnis gemacht hat. Doch während dort zwar gute, aber nicht wirklich zur allerersten Garde gehörende Gesangssolisten zum Einsatz kamen, profitiert diese zweite Folge des Mozart-Da Ponte-Opernzyklus aus Perm zusätzlich von einem exzellenten Vokalensemble. Dadurch erzielt Currentzis hier tatsächlich das von ihm intendierte Gesamtergebnis und formt eine ebenso prägnante und ungestüme wie schwelgerische und entrückte "Così".
Das fängt schon bei dem überaus prononcierten, vollstimmigen Don Alfonso von Konstantin Wolff an, setzt sich fort bei Christopher Maltmans schmeichelndem, dabei sehr virilem Guglielmo und findet seine Krönung im wohl schönsten "Un'aura amorosa" überhaupt, für das man Ferrando alias Kenneth Tarver auf Knien danken möchte. Doch auch die sinnliche Dorabella (Malena Ernman) und die sehr selbstbewusste, so gar nicht soubrettige Despina (Anna Kasyan) tragen das Ihre zum Gelingen bei. Und würde Simone Kermes (die mit einem überirdischen "Per pietà" begeistert) seltener in ihren Kleinmädchen-Ton verfallen, könnte diese Einspielung den Olymp glatt für sich allein beanspruchen.

Michael Blümke, 22.11.2014



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