Jetzt hat ihn sich also Sony gekrallt. Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann Valer Barna-Sabadus von einem Major an Bord geholt werden würde. Nun legt der Countertenor nach zwei Soloalben bei Oehms nicht nur sein Debüt beim neuen Label vor, sondern auch gleich den ersten Teil seines Nachnamens ab. Mit Arien für Giuseppe Millico präsentiert sich der in München lebende Rumäne und liefert damit auch gleich noch einen Beitrag zum auslaufenden Gluck-Jahr. Der transponierte 1769 seinen Orfeo in Soprangefilde, als er für die Hochzeitsfeierlichkeiten von Maria Theresias Tochter Maria Amalia mit dem Herzog von Parma aus seiner erfolgreichsten Oper ein gut halbstündiges Destillat mit dem Titel "Atto d'Orfeo" erstellte, das Herzstück dieser Aufnahme.
An dessen Beginn steht – anders als in der vollständigen Oper – nach der Ouvertüre gleich "Che farò senza Euridice", wo Sabadus zwar, wie auf der gesamten CD, herrlich weich und mit zarter Süße singt, aber so gar keine Verzweiflung ob des Verlustes der Geliebten vermittelt. Gut gelingt ihm das Erstaunen in "Che puro ciel". Wem die Expressivität in dieser Rolle wichtig ist, hält sich besser an den Stimmfachkollegen Bejun Mehta.
Insgesamt werden vor allem Sabadus' Cantabile-Qualitäten gefordert, seine nicht minder ausgeprägte Virtuosität darf er nur in zwei Arien vorführen. Die eigentlichen Höhepunkte dieser Einspielung stammen übrigens nicht von Gluck, sondern aus Antonio Sacchinis Oper "Il Cid", eine echte Entdeckung. Ein schönes Album also, das mit einer etwas weniger verwaschen spielenden Hofkapelle München noch schöner geraten wäre, der orchestrale Part gerät nicht so griffig und packend, wie man sich das wünschen würde.

Michael Blümke, 08.11.2014



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