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Max Bruch, Johannes Brahms

Timeless (Violinkonzerte)

David Garrett, Zubin Mehta, Philharmonisches Orchester Israel

Decca/Universal 4811031
(64 Min.)

Noch mehr als bei seinem Kollegen Nigel Kennedy hat David Garrett mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen. Ist er etwa nur ein geigender Glamrocker, der passabel Klassik spielt? Immerhin scheinen ihm Crossover-Projekte, rekordverdächtige Paganiniaden und der klassische Werkkanon gleichberechtigt am Herzen zu liegen. Vor drei Jahren hatte sich Garrett an das Violinkonzert von Beethoven gewagt – mit durchaus positivem Ergebnis. Nun sind die nächsten beiden deutschen B´s mit ihren jeweiligen Konzerthits an der Reihe, Max Bruch und Johannes Brahms. Zwar fallen die Komponistennamen auf dem Cover erneut in die Kategorie „Kleingedrucktes“. Doch das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit zur Beethoven-Aufnahme.
Wesentlich prominenter ist mit Zubin Mehta und dem Israel Philharmonic Orchestra jetzt die Begleitung ausgefallen. Nur gehört Mehta schon lange nicht mehr zu den Dirigenten, von denen man Wunderdinge erwartet. Verwunderlich ist vielmehr, wie ein Geiger, der zu einer ganz anderen Generation gehört, sich geradezu nahtlos Mehtas altväterlicher und leicht hüftsteifer Gangart angeschlossen hat. Besonders gilt das für das 1. Violinkonzert von Max Bruch. Und im schönsten pastosen Klang finden die Musiker bei Brahms zueinander – wobei der angeschlagene Ernst dann doch oftmals wie Blei am Stück hängt. Ein Trostpflaster gibt es wenigstens mit dem von Garrett erlesen ausgesungenen „Adagio“ im Brahms-Konzert. Unter dem Strich reicht das aber nicht aus, um sein Image vollends zu korrigieren.

Guido Fischer, 08.11.2014



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