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Ludwig van Beethoven

Sämtliche Werke für Cello und Klavier

Jean-Guihen Queyras, Alexander Melnikov

harmonia mundi HMC 902183
(139 Min., 10 & 12/2013) 2 CDs

Beethovens fünf Sonaten und drei Variationswerke für Cello und Klavier gehören trotz ihrer Bedeutung nicht zu den Lieblingskindern des Musikbetriebs und noch nicht einmal der Cellisten selbst – denn zu deutlich tragen sie den Stempel des Experiments. Mit den frühen Sonaten, die ganz ohne singende langsame Mittelsätze auskommen, wagte Beethoven überhaupt erst den ersten Schritt von der Klaviersonate mit obligater Begleitung hin zur echten Solosonate mit aktiver bis führender Rolle des Cellos, während die letzten Sonaten mit ihren merkwürdigen Rückgriffen auf barocke Satzfolgen und Fugentechniken bereits auf das sperrige Spätwerk vorausweisen. Es ist daher eine gute Nachricht, wenn sich zwei so intelligente und trotz moderner Instrumente auch an historischer Aufführungspraxis interessierte Musiker wie Jean-Guihen Queyras und Alexander Melnikov dieses komplexen Œuvres annehmen.
Eine Garantie für den Erfolg ist das, wie die erste CD ihrer Gesamteinspielung mit den Frühwerken zeigt, noch nicht. Queyras befleißigt sich zwar einer leichten, sprechenden Spielweise und Melnikov weiß dazu auch mit den Farben seines Flügels zu spielen. Doch der auf historischen Instrumenten vergleichsweise leicht zu erzielende Effekt, dass der Solist mal ganz mit dem Klavier verschmilzt, um an anderen Stellen wie eine zusätzliche Stimme hervorzutreten, stellt sich nicht ein – und den Mut, die Stücke wie Casals gegen den Strich zu bürsten oder wie János Starker scheinbar Beiläufiges zu poetisieren und über motivische Bezüge zur Hauptsache zu machen, haben die beiden Musiker auch wieder nicht. Sehr viel überzeugender geht es auf CD 2 mit dem mittleren und späten Werk zu: Hier, wo Cello und Klavier wirklich echte Partner sind und wo andere Interpreten ob der Sprödigkeit des Materials leicht überagieren oder verkrampfen, bewahren Queyras und Melnikov sich souverän die sprechende Leichtigkeit und Transparenz ihres Spiels. Sie bieten so eine hörenswerte, eigene, feingezeichnete Interpretation von Beethovens letzten Worten zum Cello.

Carsten Niemann, 08.11.2014



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