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Simple Songs

Christian Muthspiel, Steve Swallow

In+Out/In-Akustik 020771202
(53 Min., 9/2013)

Selten war ein Albumtitel treffender als dieser. Elf Duostücke umfasst das Programm, und bis auf eines stammen sie alle aus der Feder des 52-jährigen österreichischen Posaunisten und Pianisten Christian Muthspiel, der auch als Komponist im Bereich der Neuen Musik tätig ist. Alle haben sie eine herrlich einfache Lied-Anmutung, ohne dabei im Geringsten banal zu sein. Jeder Song für sich ist eine Feier des Weniger-ist-Mehr und der klaren melodischen Linearität. Wer könnte für diesen Angang geeigneter sein als Steve Swallow, der Meister logischer Basstonlinearität – und das mit diesem wundervoll singenden Sound auf einem E-Bass, der dröhnend kraftmeierisches Tieffrequenz-Gepumpe schlicht nicht kennt.
Christian Muthspiel schrieb dieser Besetzung – also sich selber auf der Posaune, am Klavier, Fender Rhodes und Spielzeuginstrumenten und Swallow an seinem spezifischen Bass – die Titel auf den Leib und verzichtete dabei von vornherein auf die Möglichkeiten von Loops und Overdubs. Vielleicht ist diese Konzentration auch dem Umstand geschuldet, dass Muthspiel erst kurz vor der Arbeit an diesem Projekt einen schweren Hörsturz überwunden hatte. Sein Spiel ist ohne kapriziöse Verspieltheit, folgt vielmehr einem Diskurs heiterer Logik und erinnert dabei auf der Posaune – auch in mehrstimmigen Passagen – an den großen Albert Mangelsdorff. Ergänzt wird dieses Fest der Hörbarmachung des Einfachen im Booklet durch ein textliches Kleinod von Christoph Ransmayer und Abbildungen von äußerst reduzierter, abstrakter Hinterglasmalerei Muthspiels. Das Album wird so zum perfekten Gebinde.

Thomas Fitterling, 01.11.2014



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