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Jean-Philippe Rameau

The Sound Of Light (Arien und Instrumentalsätze)

Teodor Currentzis, MusicAeterna, Nadine Koutcher, Alexei Svetov

Sony 88843082572
(66 Min., 6/2012)

Dass in der russischen Millionenprovinzstadt Perm aktuell das Opernglück zu Hause ist und nicht in Moskau oder St. Petersburg, weiß man seit dem Mozart-Furioso, das Dirigent Teodor Currentzis und sein Ensemble „MusicAeterna“ mit dem „Figaro“ geboten haben. Nun legt der griechische Pyrotechniker unter den aufs historische Klangbild abonnierten Spezialisten ein ganzes Album mit Jean-Philippe Rameau vor. 2014 nimmt man schließlich erfreulicherweise auch in Deutschland den 250. Todestag dieses Opernrevolutionärs zum Anlass, ihn mit zahlreichen Einspielungen zu würdigen. „The Sound Of Light“ nennt sich das Potpourri quer durch Rameaus Fantasiewelt, durch seine tragischen, aufgeweckt tänzerischen und bisweilen herrlich kunterbunten Geschichten, die mit und ohne Worte zünden, unter die Haut gehen, einen vor Ergriffenheit verstummen lassen. Und wenngleich man sich nicht ausmalen möchte, was vielleicht Rameau als Komponist von Solo-Konzerten oder Sinfonien alles noch so gelungen wäre, so stecken doch glücklicherweise seine sämtlichen Bühnencoups voller Orchesterwunderwerke.
Von der Papierform her ist dementsprechend jedes der 18 Stücke ein Volltreffer. Und bei Currentzis und seinen erneut mit Esprit und Verve nur so um sich werfenden Musikern hat man von Beginn an, spätestens aber ab der märchenhaft schönen „Musen“-Szene aus „Les Boréades“ das Gefühl, dass nicht Mozart, sondern Rameau ihr Lieblingskomponist ist. Alles wird mit einer Seelenruhe derart ausgekostet, dass man erst jetzt die eigentliche Bedeutung dieses Wortes begreift. In diesem riesigen Rameau-Reigen sitzt jede Nuance, jede Geste, jede Gefühlsregung am genau richtigen Platz. Und zwischendurch reihen sich die russische Sopranistin Nadine Koutcher sowie der Bass Alexei Svetov mehr als nur stilsicher ein. Obwohl bisher das Dreamteam Mireille Delunsch/Marc Minkowski bei der über- und durchgedrehten Koloraturenshowdown-Arie „Aux longueurs d'Appollon" aus „Platée“ als Maß aller Dinge galten, sind Koutcher und Currentzis den Kollegen jetzt ganz schön nah gekommen. Und warum der langsam ins Nichts, in die absolute Stille entgleitende Klagegesang „Tristes apprêts“ aus „Castor et Pollux“ selbst Denis Diderot und Hector Berlioz vor Bewunderung auf die Knie zwang, kann man ganz zum Schluss nicht nur nachhören, sondern vielmehr erfühlen.

Guido Fischer, 18.10.2014



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