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François Couperin

Apothéose de Lully, Le Parnasse, ou L'apothéose de Corelli, La Superbe, La Sultane

Gli incogniti, Amandine Beyer

harmonia mundi, HMC 902193
(58 Min., 9/2011)

Exzessiven Starkult hat es immer gegeben, aber eine in Musik gesetzte Erhebung zur Gottheit (Apotheose) ist dennoch eine Seltenheit. Zwei großen stilistischen Antagonisten ihrer Epoche, nämlich dem Wahlfranzosen Jean-Baptiste Lully und dem Italiener Arcangelo Corelli, wurde diese außerordentliche Ehre zu Teil – und sie traf nicht die Falschen: Corellis musterhafte Sonaten und Konzerte sowie Lullys Opern- und Ballettmusiken prägten schließlich das Idiom, das wir heute als „Barockmusik“ wahrnehmen. Kein Wunder, dass François Couperin, der die Erhebung seiner großen Kollegen auf den Parnass programmmusikalisch als Triosonaten in Szene setzte, dabei auch den epochemachenden Verschmelzungsprozess der beiden Stile thematisierte – am deutlichsten in der Apotheose Lullys, wo nämlich der Franzose und der Italiener gemeinsam eine französische Ouvertüre und eine italienische Sonate im Stile des Nachbarlandes aufführen. In der Einspielung des Ensembles „Gli incogniti“ hört sich das überzeugend genug an, um auch diejenigen Hörer zu vergnügen, die nicht in der Lage sind, die individuellen Stilmerkmale herauszuhören. Mit klarem und resonanzreichem Ton aufspielend, wissen die Musiker auch die typisch „corellisierenden“ Schreitbässe und Dissonanzketten, die leicht etwas akademisch wirken können, mit wunderbar differenzierter, singender Emotion zu beleben. Lullys Stil wiederum, der besonders in den opernhaft erzählten kurzen Schlaf-, Unterwelts- und Himmelfahrtszenen der Apotheosen zur Geltung kommt, setzen sie theatralisch-plastisch, aber zugleich auch immer kammermusikalisch durchsichtig um. Etwas zu barock verkünstelt sind einzig die Anmerkungen von Olivier Fourès im Beiheft geraten – hier wäre dem stilistisch nicht vorgebildeten Hörer mit nüchterneren Erläuterungen und vor allem einer Übersetzung von Couperins detaillierten Satzbezeichnungen mehr gedient.

Carsten Niemann, 18.10.2014



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