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Timeless Circle

Rolf Kühn

Intuition/New Arts International INT34412
(74 Min., 1994 - 2001)

Philosophisch kommt das Gebinde daher, das den Klarinettisten, Komponisten und Orchesterleiter Rolf Kühn zum 85. Geburtstag ehrt. Der ist eine Leuchtgestalt der gesamten Jazzentwicklung nach 1945: erst Starsolist einer ostdeutschen Big Band, dann Stellvertreter Benny Goodmans in dessen Orchester, dann Leiter der NDR-Studioband, schließlich Partner seines 14 Jahre jüngeren Pianistenbruders Joachim in einem Furore machenden Free-Jazz-Quartett, dann ein Star der Fusionmusik und schließlich abgeklärter Großmeister seines Instruments, der auf den eroberten Terrains immer wieder neue Herausforderungen sucht.
Die 14 Titel des Albums sind eine Zusammenstellung aus dem frühen Alterswerk des Klarinettisten. Der befand sich auf einem Höhepunkt; seine Schaffenskraft, seine Grundneugier sind beständig spürbar. Das gilt für einen unbegleiteten Solotrack ebenso wie für den abschließenden Titel mit der RIAS Big Band und Max Raabe. Mitreißend die Quartett-, Quintett- und Sextett-Besetzungen mit unterschiedlichen, aber durchwegs auf höchstem Niveau agierenden Rhythmusgruppen – wobei Fusion nur peripher vorkommt –, tief beeindruckend und bestechend aber sind die Duo-Einspielungen mit Bruder Joachim, den Altsaxofonisten Lee Konitz und Ornette Coleman und dem Posaunisten Albert Mangelsdorff. Im Zusammenspiel mit den Bläsern offenbart sich Kühns hohe Kunst wie unter einem Vergrößerungsglas: Die makellos klare Intonation dient einem an stringenter Melodik ausgrichteten logischen Diskurs, der vordergründige Emotionalität scheut und gerade dadurch seine faszinierende Wirkung erzielt. Eine wahrlich würdige Geburtstagsgabe, zeitlos schön.

Thomas Fitterling, 11.10.2014



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