Weihnachten wirft seine Lichterketten voraus: Die ersten Programme mit besinnlichem Sakral-Konfekt erscheinen, um des Handels wichtigste Jahreszeit einzuläuten. In diesem Jahr wird auch Elīna Garanča von ihrer Plattenfirma ins Rennen um die am häufigsten unter dem Christbaum zu findende Klassik-CD geschickt. Auf ihrem "Meditation" getauften Album präsentiert sich die Mezzosopranistin stimmlich wie gestalterisch so edel und geschmackvoll wie seinerzeit Jessye Norman bei ihren Weihnachtsgaben an die Fans – und genauso steril und künstlich.
Es ist ein altbekanntes Problem von Garanča, dass sie sich gerade im Aufnahmestudio übermäßig kontrolliert, alles klingt perfekt, aber etwas unterkühlt. Selbst Joan Sutherland, der man nicht unbedingt ein überschäumendes Temperament attestieren würde, zeigte bei "O Divine Redeemer" mehr Emphase, lieferte "O Holy Night" expressiver ab. Freilich gibt es auch Ausnahmen. Bei Bizets "Agnus Dei" gibt Garanča ihre Deckung auf und produziert nicht nur ebenmäßige Linien, sondern wird wirklich "persönlich". Auch beim "Ave Maria" von William Gomez erlebt man sie viel emotionaler. Insgesamt aber erweist sich diese CD als wunderschön – und ziemlich langweilig. Andererseits ist zu viel Aufregung zum Jahresausklang vielleicht auch gar nicht so gut …

Michael Blümke, 27.09.2014



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