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Weaving Through Motion

David Friedman

Traumton Records/Indigo 982492
(58 Min., 11/2013 & 1/2014)

Wie viele Musiker haben schon „Round Midnight“ gespielt! Und nun auch noch David Friedman, ganz allein am Vibrafon. Tausendmal gehört? Nein, so noch nie. Der Klassiker wirkt ganz neu, ganz eigen. Taufrisch. Elegant gliedert Friedman die Melodie, bindet sie zu kleinen, voneinander abgesetzten Bögen, setzt rasche Läufe gegen Ruhepunkte: eine wunderbare Variante des eher sperrigen Originals, das Thelonious Monk selbst 1954 bei einer seiner raren Soloaufnahmen auf seinen Kern reduziert hatte. So rein, so klar, so überlegt interpretieren nur reife, über jeglichen Druck zu vordergründigen Schaustückchen erhabene Musiker. Zwölf derartige Pretiosen enthält die Disc, jede davon einzigartig. Er setzt in „Konfession“ im Playback-Dialog den Metallklang des Vibrafons gegen den hölzernen einer Marimba, er stilisiert in „Almost Blue“ den Blues, er huldigt auf einem minimalistischen Teppich in „No (Change)“ der Rockband „Yes“.
Acht der zwölf Stücke hat er selbst komponiert; Michel Legrands „The Windmills Of Your Mind“ neben Monks mitternächtlicher Meditation der zweite Klassiker. Den verwandelt er in eine leise, zarte Nummer, wobei der schmatzend dunkle Marimbaklang einen wunderbaren Kontrast zum harten des Vibrafons bildet. Wunderbar, wie Friedman die Melodien in den zwölf Stücken schweben lässt, wie er ihre Bewegungen ineinander verwebt, wie er Lautes gegen Leises, Schnelles gegen Langsames, Helles gegen Dunkles stellt – und das alles wirkt völlig selbstverständlich. Warum? Vielleicht deshalb, weil sich Friedman nach jeder Platte reichlich Zeit lässt, bis er die nächste veröffentlicht. So ist jede Scheibe ein ausgereiftes Meisterwerk – auch diesmal. Wolfgang Loos hat diese brillant durchdachte Musik in seinen Berliner Traumton Studios kongenial klar eingefangen. Die Krönung.

Werner Stiefele, 27.09.2014



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