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My Old Friend: Celebrating George Duke

Al Jarreau

Concord/Universal 7235357
(43 Min.)

Freundschaft hält über den Tod hinaus: So war es wohl im Verhältnis von Al Jarreau und George Duke, mit dem er 1965 bis 1968 im Club Half Note in San Francisco regelmäßig zusammen auftrat. Damals standen beide am Beginn ihrer Karriere, der eine als Sangeskünstler, der andere als Keyboarder, Komponist und Produzent. Und jetzt, etwa ein Jahr, nachdem Duke am 5. August 2013 gestorben war, veröffentlicht Al Jarreau ein Album, dem er den eigenen Song „My Old Friend“ voranstellte, ansonsten aber Titel von George Duke interpretiert. 73 Jahre ist er nun alt, aber seiner Stimme ist davon nichts anzumerken. Beweglich wie eh und je garniert er die Melodien, klinkt enorm tiefe Töne in hohe Passagen, gestaltet jedes Wort, gibt ihm Bedeutung und behält dabei den großen Bogen. Die Palette der Songs reicht von Dukes 1975 auf dem deutschen Label MPS veröffentlichten „Someday“ bis zu Titeln von Dukes 2010 erschienenem Album „Dejá Vu“. Dabei huldigt er in einer vom Bassisten und Bassklarinettisten Marcus Miller aufgemöbelten Version von George Dukes „Backyard Ritual“, das dieser einst zu Miles Davis‘ Album „Tutu“ beigesteuert hatte, einem zweiten, inzwischen gestorbenen Jazzgiganten. Faszinierend, wie sich in dieser Version Miles-ähnliche Trompetenklänge einen faszinierenden Gegenpart zu Jarreaus Huldigungs-Text an den Trompeter bilden. Als spezielle Referenz an Duke baut er andererseits dessen Stimme in „Bring Me Joy“ ein – die Digitaltechnik macht es möglich.
Locker und federnd kommen die zehn Stücke daher, getragen von dunklen, impulsstarken Beats und kraftvollen Basslinien und gewürzt durch einem Hauch Brazil, etwas Funk und Soul sowie einer guten Prise Jazz. Dabei liefert er Gute-Laune-Musik, die sich weich und sanft ins Ohr und Herz schmeichelt; unter anderem wird „Some Bossa a.k.a. Summer Breezin‘“ zu einer beschwingten Sommernummer. Bei „Someday“ und „Brazilian Love Affair“ singt Dukes Cousine Dianne Reeves eine zweite Stimme, in „Wings Of Love“ Jeffrey Osborne, in „No Rhyme, No Reason“ Kelly Price, und in der erdigen New-Orleans-Bluesnummer, in der Dr. John eine tragende Rolle spielt, klingt Jarreaus Hommage an George Duke mit dem schönsten Kompliment aus, das man einem Musiker machen kann: „You Touch My Brain“. Das ist mehr, als nur das Herz zu berühren.

Werner Stiefele, 02.08.2014



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