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N° 1219
18. - 24.09.2021

nächste Aktualisierung
am 25.09.2021



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Diverse

Rival Queens

Simone Kermes, Vivica Genaux, Cappella Gabetta, Andrés Gabetta

deutsche harmonia mundi/Sony 88843023662
(80 Min., 1/2014)

Was macht eine Plattenfirma, um die Aufmerksamkeit für eine neue Aufnahme der hauseigenen Barock-Primadonna zu steigern, wenn die Dame mit diesem Repertoire schon zahlreiche CDs (wenn auch nicht alle für das eigene Label) gefüllt hat? Sie steckt sie mit einer anderen, seit Kurzem unter Vertrag stehenden Sängerin ins Studio, lässt beide je ein halbes Dutzend Arien zum Besten geben und bringt sie in drei Duetten auch zusammen vors Mikrofon.
Und da die eine bereits ein Cuzzoni-Album eingespielt und die andere sich mit einem Bordoni-Programm präsentiert hat, hält man sich bei der Auswahl der Stücke an Arien für eben diese Gesangsstars des 18. Jahrhunderts. Vor allem, weil sich die zwei Diven 1727 in Bononcinis "Astianatte" eine legendäre Auseinandersetzung auf offener Bühne geliefert haben (sollen), womit sich der perfekte Aufhänger für die neue CD geradezu aufdrängt: Der Kampf zwischen zwei Primadonnen erregt schließlich immer Interesse.
Um ein direktes Kräftemessen handelt es sich bei "Rival Queens" allerdings nicht. Denn mit den schon erwähnten drei Duetten fällt die Möglichkeit zum unmittelbaren Vergleich zwischen Simone Kermes und Vivica Genaux recht bescheiden aus, zudem standen die historischen Vorbilder weder in Hasses "Cleofide" und "Artaserse" noch in Porporas "Arianna in Naxo" jemals gemeinsam auf der Bühne.
Davon abgesehen jedoch bietet diese Silberscheibe reichlich Gesangskunst vom Allerfeinsten. Simone Kermes ist in spektakulärer stimmlicher Verfassung, kommt ohne ihre überhauchten Töne aus, gibt nicht nur in "Nobil onda" aus Porporas "Adelaide" dem Affen ordentlich Zucker und harmoniert mit ihrer Mezzosopran-Kollegin in "Tu vuoi ch'io viva, o cara" aus "Artaserse" aufs Schönste. Vivica Genaux steht ihr in nichts nach, begeistert nicht nur als Virtuosa mit ihren scheinbar endlosen Koloraturketten, sondern zeigt sich in "Vorreste, o mie pupille" ("Lucio Vero" von Ariosti) auch von ihrer besten empfindsamen Seite. In dieser Qualität lässt man sich gerne noch viele Veröffentlichungen mit Kermes und/oder Genaux gefallen – auch ganz ohne "Konzept".

Michael Blümke, 19.07.2014



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