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György Ligeti

Lontano, Violinkonzert, Atmosphères, San Francisco Polyphony

Benjamin Schmid, Finnisches Radio-Sinfonieorchester, Hannu Lintu

Ondine/Naxos ODE12132
(68 Min., 9/2011)

Dass die finnische und die ungarische Sprache eng verwandt seien, ist bekanntlich eine Übertreibung, denn in Wahrheit ist der Verwandtschaftsgrad nicht höher als der zwischen dem Deutschen und dem Persischen. Aber es dürfte ja schon die exzellente Musikerausbildung in Finnland und der dort vergleichsweise unverkrampfte Umgang mit der Musik der Moderne genügen, um neugierig auf die vorliegende Auswahl von Hauptwerken György Ligetis (1923 - 2006) zu machen. Dirigent der Aufnahme ist der 1967 geborene Hannu Lintu, der unter anderem bei dem legendären Jorma Panula studierte. Beginnend mit dem mikropolyphonen Schlüssel- und Kultwerk „Atmosphères“ von 1961 und endend mit dem 1993 abgeschlossenen Violinkonzert bietet die CD in der für Ondine typischen brillanten Aufnahmetechnik einen guten Überblick über die stilistische Entwicklung des Komponisten.
Für Ligeti-Kenner dürfte dabei auch der eigenständige, aber nicht manierierte interpretatorische Zugriff Lintus von Interesse sein: Entgegen der Tendenz, die vokal inspirierten frühen Werke der Sechziger Jahre allzu ätherisch anzugehen, lässt Lintu auch die dunkleren Farben hervortreten und verleiht den Klangwolken durch die ruhig aufgebaute Spannung die beunruhigende Präsenz von Gewitterköpfen. Dass dagegen das knapp halbstündige Violinkonzert, das auch jüngst von Patricia Kopatchinskaja und dem Ensemble Modern in einer folkloristisch inspirierten Vollblutversion eingespielt wurde, in der Intensität etwas abfällt, ist wohl mehr dem Solisten als dem Dirigenten zuzuschreiben. Immerhin wird durch den gleichwohl durchdachten Interpretationsansatz von Benjamin Schmid der Orchesterpart (zu dem auch wunderbar plebejische Tonflöten gehören) auf Augenhöhe des Solisten gehoben, so dass man auch dieses Stück mit Gewinn hört.

Carsten Niemann, 14.06.2014



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