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Lifelover

Veronika Harcsa, Bálint Gyémánt

Traumton/Indigo 985122
(56 Min., 2/2013)

Es ist Zeit, den Blick auf die Jazzszene in Ungarn zu richten. In Budapest manifestieren sich immer wieder erstaunliche Talente. Ein herausragendes Beispiel ist das Duo der 31-jährigen Sängerin Veronika Harcsa mit dem Gitarristen Bálint Gyémánt. Harcsa beeindruckt als eine Vertreterin des neuen Traditionsstrangs weiblichen Gesangs. Der hat sich längst vom afro-amerikanischen Vorbild von Ella, Lady Day und Sarah Vaughn emanzipiert, hat ebenfalls das skandinavische Gesäusel hinter sich gelassen und vermittelt mit jungen, frischen, glasklaren Stimmen metallischen Schmelzes authentisch Einblicke in das Spannungsfeld von mädchenhafter Verletzlichkeit und Erfahrungen einer reifer Frau. Man denkt an Youn Sun Nah oder Maria Markesini.
Die große sängerische Begabung von Veronika Harcsa korreliert mit der subtilen Vielfalt ihrer Kompositionen und der literarischen Qualität ihrer melancholischen englischen Texte surrealer Anmutung – vorbildlich sind sie im Booklet abgedruckt. Kongenial und virtuos begleitet wird die Sängerin und Diseuse von Bálint Gyémánt auf der akustischen Gitarre. Beide sind Mitglieder einer Formation, die mit elektronischer Musik experimentiert. Im Duo setzen sie auf reine Akustik, nur ganz diskret kommen gelegentlich Loops oder Overdubs zum Einsatz. Klarheit und Strukturiertheit sind Schlüsselbegriffe der sich gegenseitig ergänzenden, ja durchdringenden Vortragsweise der beiden. So trägt denn die feinsinnige Spannung über ein Programm von zwölf Liedern. Das wird zu einer Entdeckung und möglicherweise einer Liebe fürs Leben.

Thomas Fitterling, 14.06.2014



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