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Ramshackle Serenade

Larry Goldings

Pirouet/Edel1018077POU
(63 Min., 12/2013)

Das Orgeltrio in der Besetzung mit Gitarre und Schlagzeug ist zwar nicht die häufigste Formation im Jazz, dafür aber eine, bei der in der blauen Wolle gefärbte Alt-Jazzer mit der Zunge schnalzen. Sie schwärmen von Jimmy Smith oder den legendären Trios von Kenny Clarke – ach, wie ging da noch die Post ab, swingend wie die Pest. Das Larry Goldings Trio knüpft an diese Tradition an, doch Goldings selbst, Gitarrist Peter Bernstein und Schlagzeuger Bill Stewart sind Feingeister.
Testosteron gesteuertes Fauchen und Brüllen ist ihre Sache nicht. Aufeinander-Hören im fast intimen Spiel miteinander ist ihr Ideal. Sinn für Blues, Soul und raffinierte Harmonik schließt das nicht aus. Geschmackssicher wählt Larry Goldings die Sounds auf seiner B3, sorgt für warme Tiefgründigkeit und delikate Dynamik, souverän grundiert er das abwechslungsreiche Programm aus Standards und Originals mit dem Fußbass. Gitarrist Peter Bernstein besticht in seinen gleichgewichtigen Soloanteilen mit melodischem Einfallsreichtum und unverzerrten Klängen aus dem Geiste eines Jim Hall. Großartig bringt Bill Stewart das Geschehen stets auf den rhythmischen Punkt. Er ist ein Ausbund an stets stimmiger Vielschichtigkeit klangmelodischer Vielfalt; Tony Williams‘ Lifetime grüßt von Ferne und ist doch stilsicher auf das kammermusikalische Konzept transformiert. „Ramshackle Serenade“ ist eine perfekt aufgenommene Musik für den Sommer; Assoziationen an köstlichen Erdbeerkuchen mit Schlagsahne sind durchaus erlaubt.

Thomas Fitterling, 07.06.2014



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