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Simeon Ten Holt

Canto ostinato XL

Jeroen van Veen

Brilliant Classics/Edel 1094532BR1
(840 Min., 1999 - 2013) 12 CDs

Die Minimalmusiker Phil Glass, Terry Riley, Steve Reich oder John Adams mochten den Begriff „Minimal Music“ nicht und bevorzugten Wortschöpfungen mit „repetitive“. Die Nachlassverwalter von Simeon Ten Holt würden den 2012 mit 89 Jahren gestorbenen Holländer gerne als Vorreiter des Minimalismus zu spätem Ruhm verhelfen. Tatsächlich hatte dieser 1976 bis 1979 seinen „Canto ostinato“ geschrieben – elf Jahre nach Steve Reichs Tonband-Collage „It’s Gonna Rain“ und immerhin noch fünf nach „Clapping“. Die Idee der Wiederholungen mit geringen Variationen stand also schon im Raum – allerdings in reduzierterer Form als jene, die Ten Holt entwarf. Seine Komposition lässt Raum für Transformationen und vom Aufführenden verantwortete Akzentuierungen, Auslassungen und Einfügungen weiterer Töne. Sie ist melodiöser als die Frühwerke der berühmten Minimalisten, geht leichter ins Ohr, fräst sich eher fest.
Jeroen van Veen, Mitglied der Simeon Ten Holt Foundation, hat für eine in minimalistischem Weiß gehaltene Box die Versionen für Solo Piano, zwei Pianos, Vier Pianos, drei Pianos und Orgel, Solo Orgel, zwei Pianos und zwei Marimbas, Multitrack-Marimbas, zwei präparierte Pianos und Synthesizers zusammengestellt – zusammen rund 14 Stunden Variationen des Ausgangsmaterials. So klingt das Material mal nach heiterem Pop-Ohrwurm, mal nach bedrohlicher Orgelwucht oder aber wie die Untermalung früher Videospiele. Unabhängig von der jeweiligen Instrumentierung entwickeln alle aus dem minimalen Material abgeleiteten Versionen dank der Wiederholungsfiguren eine einlullend beruhigende Wirkung. Dezent im Hintergrund eingesetzt, könnte sie jedes Esoterik-Zentrum akustisch möblieren.

Werner Stiefele, 24.05.2014



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