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Free and Tremendous

Joe Sachse, Nils Wogram

jazzwerkstatt/Naxos JW143
(71 Min., 8/2012)

Es hat etwas Symbolisches, dass sich Joe Sachse (65), der Gitarrentausendsassa und typische Vertreter des freien Jazz aus Deutschland Ost, und der 24 Jahre jüngere, tief in der Albert-Mangelsdorff-Stilistik und westlichen Jazztradition verwurzelte Posaunist Nils Wogram aus Braunschweig nach Jahren der Fernbewunderung im fernen Italien zum ersten Mal trafen. Die Begegnung zeitigte den Wunsch, im Duo zu musizieren. Das Duo-Konzert in Leipzig vor zwei Jahren wurde zufällig mitgeschnitten und gefiel den beiden Musikern so sehr, dass sie sich um eine Veröffentlichung bemühten, die nun vorliegt.
Mit immenser Spiellust feiern die beiden ein Fest des kontrapunktischen Fabulierens. Der Rhythmus schreitet dabei ebenso streng fort, wie die mit immer neuen Volten überraschenden Phrasen einer stets vorwärts weisenden stringenten Logik folgen. Festgelegte Motive strukturieren den der Aleatorik weit geöffneten Raum, bevor sich der Diskurs in langatmige Beliebigkeit verlaufen könnte. Höhepunkt des Konzertes war der vorletzte von fünf Titeln, in dem Chick Coreas „Fiesta“ aufblitzend von der Gitarre zitiert wird, ohne dass die Posaune diesen Lockrufen platt folgen würde, sondern vielmehr mit ausgebufft witzigen Kommentaren dagegen hält. Es ist faszinierend, wie sich der warme, schlank bewegliche Posaunenton mit dem Sound der E-Gitarre, die mit fast holzakustischem Klang zu verführen vermag, so trefflich mischt. Das Konzert muss ein sehr gutes, ehrlich berührendes Musikerlebnis gewesen sein.

Thomas Fitterling, 10.05.2014



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