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Antonio Vivaldi

Violinkonzerte "di sfida" (zweite Folge der Vivaldi-Edition)

Anton Steck, Modo Antiquo, Federico Maria Sardelli

Naïve/harmonia mundi OP 30427
(55 Min., 2/2006, 8/2006) 1 CD

Sechs Violinkonzerte in weniger als einer Stunde, kaum ein Satz über vier Minuten: Die Konzentrationsfähigkeit seiner Zuhörer hat Vivaldi wirklich nicht belasten wollen. Die Physis seiner Interpreten zuweilen schon. Die nun im Rahmen der Vivaldi-Ausgabe von Naïve unter dem Motto "Concerti di sfida" – "Konzerte der Herausforderung" – vereinten Werke locken ihren Solisten mit hanebüchenen Kapriolen weit aus der Reserve. Das gesamte Arsenal barocker Violintechnik entzündet sich hier in Blitzeseile, und es ist ein wahrer Glücksfall, dass für diese Tour de Force mit Anton Steck ein Geiger bereit steht, dessen herrlich trockene Bogenführung und konzentrierte, schlanke Tongebung ein grandioses Erlebnis von Geschwindigkeit ermöglicht. Ob einfaches oder gebundenes Staccato, Spiccato, Martellato, Ricochet, Doppel- oder Quadrupelgriffe, Figurationen in achter oder neunter Lage oder was auch immer: Steck zeigt mit gehörigem Schneid, wie viel virtuoses Detail Vivaldi auf engsten Raum zu drängen imstande war, ohne der Musik die Luft abzuschnüren. Und er lässt damit die bekannte Rede vom Komponisten, der fortwährend dasselbe Konzert komponiert habe, so rasch vergessen, wie diese kleinen Zauberstücke am Ohr vorbeisausen. Dass einige konventionell besaitete Kollegen über eine sicherere Intonation verfügen als Steck auf der Barockgeige – geschenkt, bei solchem Elan. Das italienische Ensemble Modo Antiquo ist mit seinem Gründer Federico Maria Sardelli behänder Sekundant und in den Ritornellen zuweilen auch energischer Einpeitscher. Eine immens durchsichtige Aufnahmetechnik ist schließlich das I-Tüpfelchen dieses Konzertreigens, den eine "Editionsleistung" zu nennen richtig und doch schmählich untertrieben wäre.

Raoul Mörchen, 23.11.2007



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