Responsive image
Carl Philipp Emanuel Bach

Sonaten für Violine und Cembalo Wq 76 & 78, Clavier-Fantasie mit Begleitung einer Violine fis-Moll H.536 u.a.

Leila Schayegh, Jörg Halubek

Pan Classics/Note 1 PC10305
(71 Min., 9/2013)

Wenige Musikgattungen werden von heutigen Interpreten mit so spitzen Fingern angefasst, wie die im 18. Jahrhundert blühende Klaviermusik „mit Begleitung einer Violine“. Darunter hat sogar Carl Philipp Emanuel Bach zu leiden, obwohl er der Violine eine weit prominentere Rolle zugewiesen hat als viele seiner Zeitgenossen. Dennoch: Auch bei ihm ist das Verhältnis der beiden Instrumente delikat und es bedarf eines großen stilistischen Einfühlungsvermögens, um diese Musik nicht als verunglückte Violinsonaten oder als Klaviermusik mit entbehrlichem Violinpart wirken zu lassen.
Leila Schayegh und Jörg Halubek besitzen genau dieses Einfühlungsvermögen – und plötzlich wird die nicht normierte Rolle der Violine im Satz zu einer Quelle musikalischen Reichtums: Mal wirkt der Geigenklang wie eine stimmungsvolle Lavierung auf einer Federzeichnung, dann wieder setzt sie spleenige Kontrapunkte und dann wieder ist sie ein völlig gleichberechtigter Partner der rechten Hand des Pianisten bzw. Cembalisten. Wobei Leila Schayegh es nicht nur an Schnelligkeit wie Präzision der Artikulation mit Jörg Halubek aufnimmt, sondern sich auch klangfarblich perfekt mit dem Cembalo und dem delikaten, zwischen Cembalo und Hammerklavier changierenden Klang des Tangentenflügels verbindet. Die Vielfalt der Ausdrucksnuancen, die Schayegh und Halubek oft mit subtil eingesetzten rubato-Effekten hervorzaubern, fasziniert nicht nur bei der vorromantisch angehauchten fis-Moll-Fantasie: Gerade durch die Finesse des Vortrags verliert auch ein frühes Werk wie die D-Dur Sonate H.502 alle Zopfigkeit – um den Blick auf die reiche Seelenlandschaft des Komponisten freizugeben.

Carsten Niemann, 12.04.2014



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top