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Giuseppe Verdi

Verdi

Krassimira Stoyanova, Münchner Rundfunkorchester, Pavel Baleff

Orfeo C 885 141 A
(74 Min., 7/2013)

Eine Fristverlängerung ist hier wohl angesagt: Auch wenn man Beiträge zu einem Jubiläumsjahr üblicherweise vor oder während desselben vorlegt, wollen wir in diesem Fall über die großzügige Verspätung hinwegsehen und Stoyanovas Verdi-Programm nachträglich die Goldmedaille zuerkennen. Gut für Anna Netrebko, die auf diese Weise 2013 im auffällig dünn gesäten Recital-Feld den Sieg davontragen konnte – mit Stoyanova am Start hätte sie sich mit Silber begnügen müssen.
Es kommt nicht von ungefähr, dass die Bulgarin gerade mit Verdi weltweit so gefragt ist, denn sie bringt schlicht alle Zutaten für seine Partien mit. Das fängt schon mit ihrer glaubwürdigen, überzeugenden Gestaltung an, die Charaktere entstehen lässt, sie aber nicht überfrachtet. Und dann diese leuchtende, fruchtige Stimme, substanzreich und wohlmodelliert. Da wird nicht gedrückt, klingt nichts eingedickt, muss nirgends getrickst werden – dieser Sopran strömt mit beglückender Souveränität.
Schon der Einstieg mit Aidas „Ritorna vincitor“ gelingt fulminant, zeigt, dass dieser Lirico-Spinto auch im dramatischeren Bereich keine Schwierigkeiten kennt. Die darauffolgende zweite Leonora-Arie („Il trovatore“) ist der einzige Ausschnitt, bei dem es – wenn auch auf höchstem Niveau – etwas zu mäkeln gibt (und den man deshalb vielleicht besser irgendwo in der Mitte der CD platziert hätte), hier wirkt Stoyanovas Stimme nicht so gelöst wie sonst, hört man eine leichte Anspannung. Bei allen übrigen Arien (u.a. aus „La traviata“, „Don Carlo“, „Otello“) aber ist die Verdi-Welt nicht nur in bester, sondern kaum zu überbietender Ordnung.

Michael Blümke, 29.03.2014



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