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Antonio Vivaldi

Opernarien und Sinfonien

Emma Kirkby, Brandenburg Consort, Roy Goodman

Helios/Codaex CDH55279
(74 Min., 4/1994) 1 CD

Ein Schmankerl aus den Zeit der "historischen" historischen Aufführungspraxis: Während man heutzutage in manchen Kreisen dazu neigt, Elemente des nachromantischen Gesangs aus dem 19. Jahrhundert zwecks Steigerung der Expressivität mit der historisierenden Praxis zu vermengen (siehe etwa Magdalena Koženás neues Händelrezital), bot und bietet Emma Kirkby als Alte-Musik-Sängerin der ersten Stunde stets eine an den Gesetzen der musikalischen Rhetorik orientierte Vokalkunst mit weitgehend vibratofreier oder zumindest vibratoarmer Stimmgebung und zwar präziser, aber niemals gehämmerter Koloratur. Dass ihr Grundton auch in den dramatischeren und bewegteren der hier vorgestellten Vivaldi-Opernarien ein heller, freundlicher ist, nehmen wir angesichts der bestechenden Reinheit und Klarheit dieser Darbietungen gern in Kauf – die erhabene Sphäre des ästhetisch Schönen als Raum, in dem die Kunst als solche sich vollzieht, wird hier niemals verlassen, auch dann nicht, wenn es gilt, über Unschönes zu berichten. Es ist dies ein interpretatorischer Ansatz, über den man sicher auch auf Basis historischer Quellen streiten kann, aber er ist in sich schlüssig.
Roy Goodman und die hervorragenden Instrumentalisten seines Brandenburg Consort ergänzen das von ihnen höchst differenziert und nuanciert begleitete Arienprogramm durch drei Opernsinfonien; insgesamt gelingt es den Musikern, den Vielschreiber Vivaldi, dessen Opernschaffen erst in jüngerer Zeit entdeckt und kompetent wiederbelebt wird, auf sehr vielfältige Weise zu präsentieren und ihn damit aus der anrüchigen Ecke der Fließband-Produziererei herauszuholen.

23.11.2007



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