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Tubes and Wires

Niels Klein

nWog/Edel 1044711NWO
(53 Min., 6/2012)

Seit 2011 ist Niels Klein einer der beiden künstlerischen Leiter der renommierten Big-Band-Talentschmiede BuJazzO. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der Komponist und Holzbläser ein besonders feines Gespür für Instrumenten-Texturen hat. Im Trio-, Quartett- und Tentett-Format konnte er diese Befähigungen bei seinen bisherigen Aufnahmen unter Beweis stellen. „Tubes and Wires“ stellt nun aber eine Besonderheit dar.
Aufgrund des in Perry-Rhodan-Manier gehaltenen CD-Covers und der gespenstisch wabernden Space-Klänge zu Beginn des Albums denkt man bei den titelgebenden „Röhren und Drähten“ unweigerlich an old school-Weltall-Serien wie „Raumpatrouille Orion“ oder „Mondbasis Alpha 1“. In Wirklichkeit handelt es sich bei den „Tubes and Wires“ jedoch um die Schallrohre diverser Klarinetten sowie um die Kabel, mit denen die Tonsignale von Vintage-Synthesizern, Effektgeräten, Schlagzeugmikrofonen, Gitarren und Bässen ins Mischpult geleitet werden.
Es ist ein Quartett, das mit diesen Gerätschaften in mehr oder minder unbekannte Dimensionen vorstößt (neben Klein bedient Lars Duppler Rhodes, Synthesizer und das Harmonium, Hanno Busch die Saiteninstrumente und Jonas Burgwinkel die Drums) – aber das Ergebnis klingt nach einer weit größeren Besetzung. Was daran liegt, dass Klein in seinen Kompositionen geschickt mit Schichtungen, Doppelungen und skurrilen Frage-Antwort-Spielen arbeitet. Dabei greift er stilistisch und klanglich zum einen auf die 70er-Sounds der „Bitches Brew“- und Weather-Report-Vergangenheit zurück, erweist sich zum anderen jedoch auch als Kind der Jahrtausendwende, als Freund des Postrock und von Bands wie The Notwist oder Air.
„Als würde man nachts im Urwald Scooter fahren“ – so umschreibt Klein selbst seine Musik. Man könnte sie auch retroaktuellen Fusionjazz nennen. So oder so: Der optimale Soundtrack für eine innere Reise zum Mars.

Josef Engels, 08.02.2014



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