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Johann Sebastian Bach

Kantaten BWV 38, BWV 7, BWV 2 (Luther-Kantaten)

La Capella Ducale, Musica Fiata, Roland Wilson

dhm/Sony 88725468032
(69 Min., 8/2012)

Trotz der Gefahr, beim allzu frühzeitigen Kauf von Luther-Memorabilien einem vorzeitigen Reformations-Overkill zu erliegen, lohnt ein Hineinhören in diese CD, in der Bach dem Reformator unter vier Augen begegnet. Wie das informative Beiheft erläutert, waren Bachs Kantaten auf die Luther-Choräle „Aus tiefer Not schrei' ich zu dir“, Christ unser Herr zum Jordan kam“ und „Ach Gott vom Himmel sieh' darein“ Teil eines ambitionierten Choralkantaten-Jahrgangs, den Bach 1724/1725 in Leipzig komponierte. Jeder Choralkantate ist hier ein entsprechendes Choralpräludium Bachs vorangestellt so dass man die Melodie ins Ohr bekommt und auch gleich für die vielfältigen Techniken sensibilisiert wird, mit denen Bach das Material variiert, zitiert und collagiert.
Sehr reizvoll ist die Wahl von Aufnahmeort und Instrumentarium: Die Kantaten sind in der Bach-Kirche in Arnstadt aufgenommen, wobei auch die einst von Bach gespielte dortige Orgel Verwendung findet (die Präludien werden dagegen von Christoph Anselm Noll an der ab 1724 erbauten Trost-Orgel zu Waltershausen eingespielt). Dem Genius Loci zuliebe verzichtet man gern auf etwas Textverständlichkeit: Obwohl das solistisch besetzte Vokalensemble aus luthergerecht deklamationsstarken Sängern zusammensetzt ist, gehen in den Ensemblesätzen einige Worte im authentischen Kirchenhall unter. Besonders glücklich sind die Alt- und Tenorpartien mit dem intelligenten Counter Alex Potter und dem glanzvoll wie eine Barocktrompete intonierenden Markus Brutscher besetzt. Angesichts der Sorgfalt, mit der hier musiziert wird, tut es etwas weh, dass in BWV 2 an einer Stelle sinnwidrig die Fälle verwechselt wurden („Ihr habt“ statt „Ich hab“). Denn wie mahnte schon Luther: „Das Wort sie sollen lassen stahn!“

Carsten Niemann, 18.01.2014



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