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A Moment’s Liberty

Agustí Fernández, Barry Guy, Ramón López

Maya/harmonia mundi MCD1302
(74 Min., 5/2013)

Die Titel der bisherigen Einspielungen des 59-jährigen, spanischen Pianisten Agustí Fernández für das Maya-Label verweisen auf eine Affinität zum Mythos des Tagesanbruchs: „Aurora“ hieß die erste – sie gab seinem Trio den Namen –, „Morning Glory“ folgte. Jetzt feiert Fernández die Freiheit des Augenblicks und definiert ihn für sein Trio als den Moment, aus dem sich die Musik als eine außerordentliche, unerwartete und ungewöhnliche Schöpfung erhebe, als einen Moment, in dem die Musik, der Kontrolle des Intellekts entzogen, allein durch die Emotion sich vermittele und die Klänge der Musiker ihr eigenes Leben entwickelten und sich quasi ein kollektives Bewusstsein manifestiere. Als „the opening“ bezeichnet Fernández diesen Moment und ist so mit dem britischen Kontrabassisten Barry Guy und dem spanischen Schlagzeuger Ramón López wieder bei der Bildhaftigkeit des Tagesanbruchs.
Das Titelstück der CD hat und auch die folgenden neun Miniaturen haben jeweils zu Beginn etwas von der hinreißenden elegischen Schönheit des Tagesbeginns, dem ein Geheimnis innewohnt. Ohne schwelgerisches Raunen modelliert das Klavier Motive erquickender Frische. In einem organischen Prozess treffen sie auf die delikat skizzierende Raum- und Zeitordnung des Schlagzeugs und die spröde, mitunter geräuschhafte Herbheit des Kontrabasses. Heftige free-jazzende Verwirklungen sind die Folge, und doch verliert die morgendliche Elegie ihre Unschuld nicht; die Musik verklärt sich zu einem Moment erlebter Freiheit, deren Entstehungsprozess der Hörer beglückt miterleben darf.

Thomas Fitterling, 18.01.2014



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