Die Stimme von Marco Beasley ist seit Jahren eine der wunderbarsten Verlockungen. Denn mit unnachahmlicher Leichtigkeit, magischem Legato und betörender Tonschönheit kann der Italiener musikalische Grenzen überspringen und den Gemeinsamkeiten zwischen wertvoll Barockem und ausgelassener Volkstümlichkeit nachspüren. Solistisch ist der tenorale Barde daher schon ein Ereignis. Im Doppelpack aber schraubt er sich noch weiter in ungeahnte, elysische Regionen hinauf. Denn tatsächlich singt er bei seinem neuesten Projekt im Duett – mit sich! „A voce sola, in dialogo“ lautet dementsprechend der Untertitel der Aufnahme „Cantate Deo“, für die Beasley in die Gründungsjahre der italienischen zweistimmigen Motetten zurückgereist ist. Gemeinsam mit seinen langjährigen Musikerfreunden vom Alte Musik-Ensemble Accordone unter der Leitung von Guido Morini hat er geistliche Vokalstücke von Komponisten ausgegraben, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Frömmigkeit einen konzentriert intimen Rahmen verliehen haben.
Dazu gehörten solche endlich entdeckten Pioniere wie Alessandro Grandi, Ignazio Donati und Giuseppe Giamberti, aber natürlich auch Claudio Monteverdi. Und wie sich Beasley in ihren „Salve Regina“, „Stabat Mater“ und Jubelhymnen mal zärtlich, mal beschwingt an sich selber anlehnt oder sein eigenes Echo bildet, ist die reine Wonne. Um nicht ganz besoffen zu werden von diesem Gesang, streuen die Instrumentalisten so einige kunstvoll ausgekleidete Kammersonaten etwa von Giovanni Battista Fontana und Biagio Marini ein.

Guido Fischer, 18.01.2014



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