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Magnus Lindberg

Violinkonzert, Jubilees, Souvenir

Pekka Kuusisto, Tapiola Sinfonietta, Magnus Lindberg

Ondine, ODE 1175-2
(67 Min., 5/2010 & 2/2013)

Wer nach nicht abweisender, guter neuer Musik sucht, der wird mit ziemlich großer Sicherheit in Finnland fündig werden: Das Land hat nach dem 2. Weltkrieg nicht nur massiv in die Musikausbildung investiert, sondern ist mit seinen etwas über 5 Millionen Einwohnern auch klein genug, dass sich neue Komponisten eine tiefe Entfremdung vom Publikum auch gar nicht leisten können. Zu den vielen erfreulichen Erscheinungen, die aus dieser Konstellation hervorgegangen sind, gehört auch die Musik des 1958 geborenen Magnus Lindberg. Unter den drei neueren Werken des Komponisten, die auf dieser CD versammelt sind, ist das 2006 entstandene Violinkonzert sicher das Dankbarste und Effektvollste: Aus einem ätherischen, mit schwebenden Dissonanzen durchsetzten Anfang bricht die Violine zu einer virtuosen Tour de Force auf, bei der energetische Doppelgriffpassagen, wilde Glissandi und energische Pizzicati mit mild archaisch wirkenden sparsamen Melodiebögen kombiniert sind. Der bisweilen leicht raunende, mit Fagotten und Bläsern dunkel eingefärbte Orchesterklang erinnert nur ganz aus der Ferne an Sibelius; entschieden aktuell wirkt dagegen die vielfältige, von keinem Dirigenten gestörte direkte Interaktion des brillanten Solisten Pekka Kuusisto mit den verschiedenen Instrumenten der hellwach, präsent und ungemein präzise reagierenden Tapiola Sinfonietta. Ein wenig herber geht es bei den Boulez gewidmeten Orchesterstudien „Jubilees“ sowie dem kammersinfonischen „Souvenir“ zu – doch auch hier führt die Vielfalt der brillant gespielten, gestochen klar und plastisch aufgenommenen Texturen nicht zur Zusammenhanglosigkeit, sondern fügt sich immer zu einem sinnlich erlebbaren größeren Ganzen.

Carsten Niemann, 11.01.2014



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