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Georg Philipp Telemann, Johann Paul von Westhoff, Johann Sebastian Bach u.a.

à violino solo

Thibault Noally

Aparté/harmonia mundi AP068
(79 Min., 6/2013)

Das Jahr 1720 war nicht nur für die deutsche Geigergilde ein epochales. Da legte nämlich Johann Sebastian Bach die Reinschrift einer Werkgruppe vor, die in der Geschichte des Violinspiels eine Zeitenwende einläutete. Mit „Sei solo a violino senza basso accompagnato“ hatte der Köthener Kapellmeister sein Autograf betitelt, das drei Sonaten und drei Partiten für Violine solo umfasst. Aber einfach so war dieses intellektuelle und sinnliche Violin-Manifest natürlich nicht vom Himmel gefallen. Einfluss muss der damals bedeutende Geiger Johann Paul von Westhoff ausgeübt haben, den Bach wohl 1703 am Weimarer Hof kennenlernte. Und bereits 1696 hatte Westhoff eine Sammlung von sechs Suiten für Violine solo veröffentlicht, die von Ferne das Bach´sche Konvolut erahnen lassen. Unter anderem dieser musikhistorisch spannenden Geisterverwandtschaft widmet sich nun der Franzose Thibault Noally auf seinem Debüt-Album, indem er auf Westhoffs d-Moll-Suite Nr. 5 Bachs d-Moll-Reigen mit der alles überstrahlenden Chaconne folgen lässt.
Überhaupt hat sich Noally, der im Hauptberuf Konzertmeister bei Marc Minkowskis Les Musiciens du Louvre ist, jetzt solistisch auf die deutschsprachige Barockblütezeit konzentriert, die viele kleine und große Violin-Meister führte. Dazu gehört Johann Joseph Vilsmayr, seines Zeichens Mitglied der Salzburger Hofkapelle und Schüler von Heinrich Ignaz Franz Biber, der selbst mit einer „Passacaglia“ aus den „Rosenkranz-Sonaten“ vertreten ist. Neben vier Fantasien, in denen Telemann 1735 eine harmonische Synthese aus Kantabilität und manuell lösbarem Anspruch gelang, lernt man zudem zwei Miniaturen des Lübeckers und Wahl-Engländers Thomas Baltzar kennen. Und auch diesen fehlt schlichtweg das pure Faible für’s Brillante, mit denen zeitgleich die italienischen Kollegen die Geigensaiten heißlaufen ließen. Baltzers Werke besitzen wie nahezu sämtliche zu hörenden Stücke eher einen rhetorischen Gestus sowie reflektierende Züge und Gedankengänge, die den hellwachen Verstand des Zuhörers und erst Recht des Interpreten fordern. Trotzdem erweist sich Thibault Noally überall als einer dieser phänomenalen, modernen Barockgeiger, die mit vorbildlicher Artikulation und Phrasierung, mit schlankem und doch gehaltvollem Ton genau den Puls dieser Musik zu treffen verstehen.

Guido Fischer, 21.12.2013



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