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Nicola Porpora

Arien für Farinelli

Philippe Jaroussky, Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon, Cecilia Bartoli

Erato/Warner 509999341332
(70 Min., 8 - 10/2012)

Gleich in der Eröffnungsarie „Mira in cielo“ darf Philippe Jaroussky in die Vollen gehen und zeigen, was in Amor steckt. Schließlich flößte der Knabe nicht nur Jupiter und Pluto gehörig Respekt ein, sondern konnte mit einem Fingerschnippen stürmische Winde und Wellen auslösen. Entsprechende musikalische Elementarkräfte fegen so durch die Arie aus Nicola Porporas Oper „Arianna e Teseo“. Und wie stellt sich ihnen Jaroussky? Als ob es das Einfachste von der Welt wäre, verschiebt er einerseits die Furioso-Grenzen weiter nach hinten. Zugleich besitzt bei ihm das akrobatisch noch so tollkühnste Gegurgel das, was man Seele nennt. Mit dieser Symbiose aus traumwandlerisch sicherer Attacke und emotionalem Zugriff läutet Jaroussky sein Porträt zweier Männer ein, die gemeinsam Musikgeschichte geschrieben haben. Immerhin war der Neapolitaner Nicola Porpora nicht nur ein in Europa einflussreicher Opernkomponist, sondern machte aus Carlo Broschi alias Farinelli den bis heute berühmtesten Kastraten – und sich als Gesangslehrer damit unsterblich.
Nun scheint Farinellis Ruhm und Erbe im Zuge des Countertenor-Hypes nahezu lückenlos beleuchtet worden zu sein. Doch Jaroussky ist zusammen mit der Musikwissenschaftlerin Susanne Kessler tatsächlich auf bislang unentdeckte Arien gestoßen, mit denen Porpora nicht nur die Artistik, sondern eben auch das Einfühlsame seines Schülers glänzend in Szene gesetzt hatte. Sieben Weltersteinspielungen finden sich in dem Recital. Und speziell in den sehnsüchtig seufzenden und subtil klagenden Arien-Bekenntnissen und -Beichten korrigiert Jaroussky beeindruckend das Klischeebild vom zweitrangigen Komponisten Porpora und vom Zirkuspferd Farinelli. Feinste Orchesterfarben bietet dazu das von Andrea Marcon geleitete Venice Baroque Orchestra. Und bei zwei Arien schmiegen sich gar Jaroussky und Mezzosopranistin Cecilia Bartoli aneinander – wobei Monsieur auch in diesen beiden Duetten eindeutig die Hosen an hat.

Guido Fischer, 07.12.2013



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