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Johann Sebastian Bach, Francesco Durante, Bernardo Pasquini, Giovanni Alberto Ristori, Alessandro Scarlatti, Johann Mattheson

Partimenti (Improvisationen über den Generalbass)

Christian Rieger

CAvi/harmonia mundi CAVI 8553282
(58 Min., 2/2001)

Eigentlich ist es für einen geübten Cembalospieler ja nichts Ungewöhnliches, zu einem notierten Bass Akkorde und Spielfiguren zu improvisieren – denn auf dieser „Generalbasspraxis“ beruht schließlich fast die ganze barocke Ensemblemusik. Doch entsetzt würden heute viele Cembalisten abwinken, wenn man von ihnen verlangte, sich allein mit einer notierten Basslinie auf das Podium zu wagen, um darüber Sonaten, Fantasien, Tänze oder gar Fughetten zu improvisieren. Das aber ist schade – denn genau für solche Generalbass-Soli oder „Partimenti“ haben Meister wie Johann Sebastian Bach, Alessandro Scarlatti, Bernardo Pasquini oder Johann Mattheson speziell komponierte Bässe hinterlassen. Was alles entstehen kann, wenn man sich mit Wissen um die Improvisationspraxis des Barock an dieses Repertoire wagt, das stellt Christian Rieger nun endlich auf CD unter Beweis – und zwar mit einem repräsentativen Überblick über das Partimento-Repertoire.
Von den harmonisch wagemutigen, aber auch leicht akademisch angehauchten „Prob-Stücken“ Matthesons bis hin zu den virtuose Spielfreude provozierenden Bässen der Italiener Durante und Scarlatti reicht das Repertoire. So historisch informiert Rieger auch improvisiert – die Freiheit, vom Personalstil des Komponisten abzuweichen, erlaubt er sich dann doch. Während die spritzige Lesart dem sonst als akademisch geltenden Durante hervorragend steht, wirkt Bernardo Pasquinis Partimento e-Moll hingegen ein wenig zu trocken. Am spannendsten ist der Vergleich zwischen zwei Realisierungen der dreisätzigen g-Moll-Sonate von Giovanni Alberto Ristori gelungen, die Rieger mal akkordisch und mal im Triosatz interpretiert. Und weil auch diese beiden Versionen nur zwei von abertausend denkbaren Lesarten darstellen, sind Riegers gelungener Pioniertat viele Nachahmer zu wünschen!

Carsten Niemann, 07.12.2013



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