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Riomar

Nils Wogram

nWog records/Edel 1044725NWO
(67 Min., 9/2012)

„Nils Wogram root 70 with strings“, steht rechts oben auf dem Cover. Wer die konstant über Jahre zusammenarbeitende Gruppe „root 70“ mit dem so faszinierend die diskursive Tradition des jüngeren Albert Mangelsdorff fortführenden Leader-Posaunisten, seinem die Errungenschaften eines Lee Konitz immer wieder aktuell ausdeutenden Altsaxofonisten Hayden Chisholm, dem Kontrabassisten Matt Pennman und dem Meister vertrackter Rhythmik am Schlagzeug, Jochen Rückert, kennt, mag sich – ähnlich wie die Katze auf dem Cover – verwundert die imaginären Schnurrhaare raufen: Was um Himmels willen sollen lullende Streicherbeigaben ausgerechnet bei dieser zupackenden, komplexen und immer auf logische, auch nüchtern spröde Erzählstruktur angelegten Musik?
Wer so fragt, hat nichts gehört, ist der Besetzungsangabe auf dem Leim gegangen, denn dort firmieren die Geigerin Gerdur Gunnarsdottir, die Bratschistin Gareth Lubbe und der Cellist Adrian Brendel als Additum. Eigentlich wären sie, dabei stimmig der Konvention folgend, mit den Bläsern vor den Rhythmikern zu nennen, denn sie sind hier eben nicht Sahnehäubchen-Beiwerk, sondern integraler und auch improvisierender Teil des Ensembles. In 10 „conceptual works“ – neun von Wogram, eins von Rückert – reicht die Spanne von faszinierenden Sounds à la Birth of the Cool bis zu quasi Webern’scher Abstraktion. Facettenreich durchdringt sich Komponiertes und Improvisiertes, die Beiträge sind allesamt auf den Gruppenklang fokussiert. Der ist erregend erweitert, ist vertraut und straft doch manche Erwartung vergnüglich Lügen.

Thomas Fitterling, 16.11.2013



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