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Béla Bartók

Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Isabelle Faust, Schwedisches Radio-Sinfonieorchester, Daniel Harding

harmonia mundi HMC 902146
(58 Min., 4/2012)

Grob in die Schublade gepackt, ist das 1. Violinkonzert Béla Bartóks eine einzige Liebessäuselei. Das Zweite dagegen ist ein Kompaktpaket aus rhapsodischen Gesängen und risikofreudigem Furor, bei dem Bartók immer noch haarscharf die Kurve bekommt, bevor das Ganze ins atonale Unterholz abrutscht. Zwei Violinkonzerte also mit zwei Identitäten – und einer Zeitspanne von 30 Jahren zwischen ihrer Entstehung. Und bei jedem lauern reichlich Gefahren auf den Interpreten, oder wie im Fall von Isabelle Fausts Neueinspielung, auf die Interpretin. Im ersten Violinkonzert sollte man gleich im Eröffnungssatz genau zwischen Süße und Süßlichkeit unterscheiden. Und beim Geschwisterwerk darf man sich keinesfalls vom strammen Orchestersatz zu irgendwelchen magayrischen Assoziationen hinreißen lassen. Da heißt es: Nerven bewahren. Nun sind selbst schon einige Meister auf die Verlockungen dieser ungemein populären Violinkonzerte reingefallen. Nicht aber eben Isabelle Faust. Bei ihr, wie gleichermaßen bei ihrem Dirigentenpartner Daniel Harding, ist Seriosität Trumpf, gepaart mit der nötigen Klarheit und der Bereitschaft zur gespannten Attacke.
Wie Faust es bereits auf all ihren bisherigen Einspielungen vorgemacht hat, kann sie anscheinend nicht anders als wieder unbestechlich und facettenreich herauszuarbeiten, was tatsächlich in den Noten steht. Und da tun sich so manche Überraschungen auf. Dem besagten „Andante sostenuto“ konnte man zumindest lange nicht mehr so gut dabei zuhören, wie es zu solch einer großen Herzenssache aufknospt – hinter der Bartóks Zuneigung zu einer jungen Geigerin steckte. Und das Schwedische Radio-Sinfonie-Orchester folgt Faust dabei in aller Ruhe und auch dort mit allem Geist, wo das Streichermelos fast ins französisch Romantische à la César Franck umzukippen droht. Das Beste ist jedoch, dass diese direkt eingefahrenen Pluspunkte im Laufe der Aufnahme nicht nur bestätigt werden, sondern noch einige mehr hinzukommen. Daran hat Fausts überspringende Natürlichkeit in Spiel und Ausdruck, ihre lyrische Sensibilität und ihr effektfreies Temperament genauso entscheidenden Anteil wie die unüberhörbar künstlerische Seelenverwandtschaft mit ihren britisch-schwedischen Mitstreitern.

Guido Fischer, 16.11.2013



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