Mit ihrem Steffani-Programm "Mission" hat sie der Klassikwelt im vergangenen Jahr eine höchst verdienstvolle und lange überfällige (Wieder-)Begegnung mit diesem faszinierenden Komponisten ermöglicht. Jetzt nutzt Cecilia Bartoli ihre Popularität erneut, um nach den Opern auch die geistlichen Werke Agostino Steffanis einem größeren Publikum bekannt zu machen. Die Mezzosopranistin steht dabei nicht als Star im Mittelpunkt, wird vielmehr von einem halben Dutzend sehr guter Mitstreiter flankiert.
Das Hauptwerk auf dieser CD – gleichzeitig das Opus ultimum des Komponisten und das einzige, von dem es bereits Einspielungen gibt – ist das rund 25-minütige "Stabat Mater". Im Gegensatz zu Scarlatti und Pergolesi kommen bei Steffanis Vertonung auch ein Chor zum Einsatz – und mehr Solisten. Diese abwechslungsreiche Besetzung nutzt der komponierende Priester und Berufspolitiker für eine dramatisch ausgestaltete Version der Marienklage von geradezu gestischer Vokalität.
Franco Fagioli klingt dabei wie ein Bartoli-Double mit noch druckvollerer Tonproduktion (und dadurch nicht ganz freiem Klang), die beiden Tenöre Daniel Behle und Julian Prégardien bieten einen reizvollen Hell-Dunkel-Timbrekontrast, nur der nicht immer sauber intonierende Bass Salvo Vitale kann da nicht mithalten, ist mit der Tiefe überfordert. Dafür gesellen sich im "Laudate pueri" und "Sperate in Deo" mit Nuria Rial und Yetzabel Arias Fernandez zwei exzellente Sopranistinnen zum Ensemble, das mit dieser Aufnahme sicher einige neue Steffani-Fans gewinnen wird.

Michael Blümke, 19.10.2013



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